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Marktübersicht Headless CMS

Autor: Sebastian Schürmanns

Headless Content Management Systeme sind ein viel beschworener Trend. Aber wofür eignen sich Headless CMS und welche Systeme gibt es auf dem Markt? Eine Einführung mit Markt-Überblick und Anwendungs-Beispielen.

Erklärhung von decoupled und headless CMS

Wie ein Headless CMS funktioniert

Wer mit der Headless Architektur bereits vertraut ist und die Anwendungsszenarien kennt, der kann auch direkt zum Markt-Überblick über die Headless CMS springen. Wer das Thema noch nicht einordnen kann: Headless CMS werden meist in Kontrast zu einem traditionellen oder "monolithischen" Content Management System verwendet. Der Unterschied ist schnell erklärt:

Ein traditionelles CMS umfasst grob vier Kern-Bereiche: Die Speicherung von Inhalten beispielsweise in einer Datenbank, die Verwaltung von Inhalten über eine Nutzeroberfläche, die Auslieferung von Inhalten bestenfalls in unterschiedlichen Daten-Formaten oder Dokumenten-Typen und schließlich die Darstellung der Inhalte zum Beispiel als Webseite. Alle vier Kern-Funktionen, die Speicherung, die Verwaltung, die Auslieferung und die Darstellung, sind normalerweise in einem Produkt und in einer gemeinsamen Code-Basis gekoppelt (coupled).

Ein decoupled CMS trennt hingegen Bereiche wie die Speicherung, die Verwaltung und die Darstellung der Inhalte in eigenständige Komponenten. Alle Komponenten kommunizieren nur noch über eine Programmier-Schnittstelle miteinander, also einem "Application Programming Interface", kurz API. Bei einem "decoupled" CMS sind jedoch alle Komponenten immer noch in einem vollständigen CMS-Produkt vereint.

Ein Headless CMS verzichtet im Gegensatz zu einem decoupled CMS auf die Darstellung der Inhalte. Stattdessen bietet das Headless CMS eine API an, über die die gespeicherten Inhalte abgerufen werden können. Für die Erstellung und Verwaltung der Inhalte bringen die meisten Headless CMS eine eigene Autoren-Oberfläche mit, genausogut können die Inhalte aber auch über eine API erstellt und verwaltet werden. Anders formuliert ist ein Headless CMS ein zentraler Speicher, der die Inhalte unabhängig von ihrer Verwendung vorhält.

Aber was kann man mit einem Content Management System anfangen, bei dem die Webseite und damit das End-Produkt fehlt?

Anwendungsszenarien für Headless CMS

Headless CMS sind keine neue Entwicklung, sondern sie folgen einem Trend, bei dem einzelne Aufgaben auf separate Systeme mit klaren Zuständigkeiten aufgeteilt werden. Diese separaten Systeme werden häufig als Microservices bezeichnet. Und die Vorteile solcher Microservices liegen auf der Hand. Zum Beispiel:

In der Welt der Content Management Systeme hat vor allem das Aufkommen weiterer Endgeräte zu einem Umdenken geführt. Während in den frühen Jahren die Inhalte lediglich für Webseiten genutzt wurden, kamen später die Smartphones und Tablets hinzu. Daneben gibt es jedoch noch viele weitere Darstellungsmöglichkeiten, angefangen von Konferenz-Displays bis hin zu Smartwatches oder künftigen IoT-Geräten. Als Antwort auf diese Entwicklung wird häufig der Content as a Service (CaaS) als Schlagwort genannt. Mit einem CaaS wird im Stil des Microservices die Verarbeitung, Speicherung und Bereitstellung von Inhalten unabhängig von deren Verwendung als Service angeboten. So ein CaaS kann man mit einem Decoupled CMS oder mit einem Headless CMS realisieren.

Ein einfaches Anwendungsbeispiel ist ein Fach-Verlag. Er kann über ein Headless CMS seine Fachinhalte zentral verwalten und daraus verschiedene Produkte erstellen. Beispielsweise können Fach-Inhalte auf eine eigene Webseite ausgespielt werden. Genauso gut können Inhalte aber auch zu einem Fachlexikon zusammengeführt werden, das andere Unternehmen per API abonnieren und beispielsweise in ihr Intranet integrieren können. Für solche Anwendungsszenarien sind Headless CMS ideale Kandidaten.

Vorteile und Nachteile von Headless CMS

Viele Vorteile von Headless CMS wurden bereits genannt. Die meisten dieser Vorteile treffen jedoch auch auf Decoupled CMS oder sogenannte Hybrid-Systeme zu. Um die wichtigsten Vorteile noch einmal zusammenzufassen:

Die Headless-Architektur hat jedoch nicht nur Vorteile, sondern auch einige Nachteile, die je nach Anwendungszenario mehr oder weniger stark ins Gewicht fallen. Ein großer Nachteil ist die oft deutlich stärkere Abhängigkeit von Entwicklern und die geringere Eigenständigkeit von Seitenbetreibern und Website-Managern. Folgende konkrete Beispiele werden häufig genannt:

Man kann diese Liste beliebig weiterführen. Sie endet in der Regel immer mit der Erkenntnis, dass ein Headless-CMS auf den Kern der Inhalts-Verwaltung reduziert ist und nicht Out-Of-The-Box funktioniert. Damit erhöht sich automatisch die Abhängigkeit von Entwicklern, IT-Abteilungen oder externen Dienstleistern. Hinzu kommt in vielen Fällen die Abhängigkeit von externen Headless-Anbietern, denn die meisten neuen Headless-CMS sind Cloud CMS und SaaS-Angebote, es gibt nur wenige On-Premise-Lösungen.

In vielen Szenarien ist der Einsatz eines Headless-CMS sogar kontraproduktiv. Als Beispiel wird gerne eine komplexe Government-Seite genannt, die über eine individuelle Seiten-Struktur sehr viele Informationsseiten veröffentlicht. Solche Webseiten sind davon abhängig, dass ein Seiten-Manager die Seiten-Struktur selbständig und ohne Hilfe von Entwicklern erstellen und bearbeiten kann. Auch wenn es um eine einzelne (Corporate) Website geht und kein Multi-Channel-Marketing betrieben wird, dürfte ein traditionelles CMS den Content-Managern ungleich mehr Freiräume und Gestaltungsmöglichkeiten bieten. Mit einem Headless-System würde man in solchen Szenarien die Content-Manager unnötig einschränken und damit auch den produktiven und wertschöpfenden Kern eines Web-Projekts gefährden.

Markt-Überblick: Originäre Headless CMS

Da Headless Content Management Systeme für viele Anwendungsfälle sehr nützlich sind, gibt es bereits einen recht großen Markt, der derzeit stark wächst. Wichtig ist jedoch zu verstehen, dass Headless Content Management Systeme nicht unbedingt spezielle Produkte sind, sondern eine spezielle technische Architektur für spezielle Anwendungsfälle beschreibt. Das heißt: Man kann inzwischen auch viele traditionelle Systeme wie Drupal, FirstSpirit oder CoreMedia als Headless CMS einsetzen, indem man die interne API der Systeme entsprechend nutzt. Traditionelle CMS mit Headless-Varianten werden häufig als Hybrid-Systeme bezeichnet, und vor allem im Bereich der Enterprise CMS definieren fast alle Anbieter ihre Produkte inzwischen als Hybrid-Systeme.

In dieser Liste werden erst einmal alle originären Headless CMS vorgestellt. Headless-Varianten von traditionellen Content Management Systemen (Hybrid-Systeme) werden separat weiter unten aufgelistet. Die Listen erheben natürlich keinen Anspruch an Vollständigkeit, werden jedoch regelmäßig aktualisiert.

ButterCMS

ButterCMS ist ein API-basiertes CMS mit einer Spezialisierung auf Blogs, allerdings kann das System auch für andere Webseiten mit dynamischen Inhalten genutzt werden. ButterCMS ist ein gehosteter Service mit einer Administrations-Oberfläche für Autoren. Die Preise reichen von 0 Dollar bis 199 Dollar pro Monat. Zum Unternehmen selbst findet man so gut wie keine Informationen, Gründer ist offenbar Jake Lumetta aus Chicago.

CloudCMS

CoudCMS gehört zu den Pionieren in den Bereichen Headless CMS und Content as a Service (Caas). Es läuft auf Amazon EC2, nutzt MongoDB und bietet eine ziemlich beeindruckende Anzahl an Features an. Ziemlich beeindruckend sind auch die Preise, die bei 200 Dollar beginnen und bis 1200 Dollar pro Monat steigen. CloudCMS ist ein ausgewachsener Enterprise-Dienst und vermutlich nicht der richtige Anbieter für einen privaten Blog oder ein kleines Startup.

Cockpit

Cockpit gehört zu den wenigen selbst gehosteten Open-Source Lösungen auf dem Headless-Markt. Cockpit ist ein Produkt der Digital-Agentur "agentejo" bzw. des Entwicklers Artur Heinze aus Hamburg. Das System hat nur minimale Anforderungen und eignet sich bestens für den üblichen PHP-Stack mit PHP 7+ mit der GD-Extension, mod_rewrite bei Apache und PDO mit SQLite oder MongoDB als Datenbanken. Cockpit nutzt damit einen ähnlichen Stack wie das ebenfalls selbstgehostete Directus und bietet sich als Alternative an. Cockpit wird nach wie vor intensiv betreut und weiterentwickelt. Mehr Informationen gibt es in der Review zu Cockpit.

Comfortable CMS

Der junge Headless-Service Comfortable wurde von den Entwicklern Erik Jahn und Christian Schwerdt im Jahr 2017 als Beta gelauncht. Inzwischen ist der Service gereift und bietet neben einer REST API auch eine GraphQL-API sowie SDKs für PHP und JavaScript an. Die monatlichen Kosten sind gestaffelt nach Free (0,- Euro), Starter (29,- Euro), Pro (99,- Euro) und Business (399,- Euro).

Contentful

Contentful ist ein CaaS (Content as a Service) und laut eigener Definition ein Content-Infrastruktur-Service. Contentful bietet SDKs für zahlreiche Programmier-Sprachen und APIs für die Lieferung von Inhalten, für die Erstellung von Content, für Bilder und für eine Vorschau. Contentful ist ein etabliertes Startup mit mehreren Dutzen Angestellten und einer langen Kundenliste. Die Preise starten bei 0,- Euro für private Webseiten und steigen bis 949 Euro pro Monat und mehr für kommerzielle Kunden. Laut der Website von Contentful nutzen bereits einige bekannte Marken wie Nike und Red Bull den Service.

Contentstack

Contentstack wurde im Jahr 2016 von dem SaaS-Anbieter Built.io gegründet. Built bietet seit 2013 mit "Built Flow" eine Plattform as a Service (API-Integrationen) und mit "Built Backend" einen Mobile-Backend-Service an. Contentstack ergänzt dieses Angebot um ein Headless-CMS, das allerdings als eigenständiges Produkt im Markt auftritt. Contentstack bezeichnet sich selbst als Industry-Leader im Headless CMS Markt. Wer von der freien Test-Version überzeugt ist, muss allerdings mit 3.500 Dollar pro Monat tief in die Tasche greifen. Entsprechend prominent ist die Kundschaft und entspechend lang ist die Feature-Liste: Von einer SAML-Integration über einen eCommerce Service bis hin zur Versionierung und einem Content-Rollback wird alles geboten, was man für den Enterprise-Einsatz benötigt. Diverse SDKs für Entwickler sowie Beispiel-Anleitungen für React und Vue, den Static Site Generator Metalsmith oder eine PHP-Integration komplettieren das Bild. Built wurde 2018 von der Software AG übernommen.

CosmicJS

CosmicJS ist ein weiteres Headless-CMS aus den USA. Gegründet wurde der Cloud-Service von Tony Spiro und Carson Gibbons um das Jahr 2014 herum, CosmicJS gehört damit zu den reiferen und etablierten Systemen. Neben einer REST-API bietet Cosmic auch eine GraphQL-API sowie eine Integration zahlreicher Services wie Salesforce, Google Analytics, HubSpot, Stripe oder Slack an. Außerdem können einige Extensions wie beispielsweise Kontaktformulare genutzt werden. Mit seinen Preisen positioniert sich Cosmic eher als Enterprise-Service, angefangen mit 49,- Dollar für Starter bis hin zu 499,- Dollar und mehr für Business- und Cluster-Verwendung.

Directus

Directus ist ein weiteres selbstgehostetes Headless Content Management Framework auf Open-Source-Basis. Es wurde von der Digital-Agentur Ranger aus New York entwickelt. Neben der API bietet das System auch eine feature-mächtige und intuitiv zu bedienende Administrations-Oberfläche an. Directus wurde mit PHP (Slim-Framework) und Backbone.js entwickelt und benötigt einen Nginx- oder Apache-Server. Weitere Voraussetzungen sind PHP 5.5+, MySQL 5.2+, pdo_mysql, mysqli, mod_rewrite, curl, fileinfo, gd und mcrypt. Auf cmsstash gibt es eine kurze Einführung in das Headless CMS Directus.

GatherContent

Die meisten headless CMS richten sich mit einer technischen Sprache an Entwickler. GatherContent ist anders. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als "content production platform" mit einem Fokus auf Redakteure. Ihr Produkt promoten sie daher auch nicht als "headless" oder "decoupled" CMS. Stattdessen liest man auf ihrer Webseite Sätze wie "Providing a simple and structured authoring environment for your authors will bring clarity to the editorial process. You'll get the content you need sooner, and in the correct format." Eine angenehme Abwechslung, da oft vergessen wird, dass Content Management Systeme ursprünglich mal als Lösungen für ... Content Manager entwickelt wurden. GatherContent bietet eine Menge Konnektoren zu anderen CMS wie WordPress, Drupal, Expression Engine, Sitecore oder AEM an. Die Preise starten bei 83 Dollar und gehen hoch bis 333 Dollar pro Monat.

Gentics Mesh

Gentics Mesh ist eine junge Headless-Software aus Wien und bereichert den Headless-Markt um eine weitere, selbstgehostete Open-Source-Lösung (Apache-Licence). Gentics Mesh ergänzt die Software um einen professionellen Support. Die Java-Software kann als Single-JAR-File heruntergeladen werden. Einzige Systemvoraussetzung ist Oracle Java Runtime (Version 1.8.0_40). Gentics Mesh arbeitet unter anderem mit OrientDB als eingebettete Graph-Datenbank und Elasticsearch als Suchmaschine. Mit Blick auf die Features bietet Gentics Mash eigentlich alles, was man von einem Headless-CMS erwartet: Ein Usermanagement, Roles & Permissions, Image Manipulation, Multi-Language-Support, eine Versionierung, es gibt sogar ein Plugin-System und auch Clustering wird unterstützt.

GraphCMS

Graph CMS ist ein junges Headless CMS auf Basis von GraphQL, einer Abfrage-Syntax, die speziell für APIs entwickelt wurde und als Nachfolger von REST gehandelt wird. Das System wurde in Gießen entwickelt und im Jahr 2017 gelaunched. Derzeit steht das System nur als proprietäre Cloud-Service zur Verfügung, im Jahr 2018 sollen jedoch Teile der Software zu einem Open Source Projekt werden (bislang ist auf GitHub allerdings wenig zu finden). Das CMS hat im Jahr 2017 schon relativ viel Aufmerksamkeit erhalten, man darf gespannt sein, wie sich der Markt und dieser Kandidat in Zukunft entwickeln.

Prime

Prime ist ein kleines open source Headless-CMS von Birkir Gudjonsson, dem technischen Direktor des Dienstleisters Ueno. Ueno ist unter anderem durch das React Starter Kit bekannt. Prime befindet sich noch in der Beta und ist mit TypeScript geschrieben. Sympathisch ist unter anderem, dass der Macher in dem Feature-Vergleich recht offen mit den Lücken des eigenen Systems umgeht. Das System ist allerdings erst im November 2018 veröffentlicht worden, daher sollte man wohl noch kein völlig ausgereiftes Headless CMS erwarten.

Prismic

Prismic ist ein CMS-Backend und ein Headless Content Service aus Frankreich. Prismic bietet einen "writing-room" für Autoren und eine "content query API" für Entwickler an. Wie die meisten CaaS Services hat auch Prismic SDKs für verschiedene Programmier-Sprachen. Die Preis-Gestaltung ist recht flexibel von 0 Dollar bis 575 Dollar pro Monat, ähnlich wie Contentful richtet sich der Service damit sowohl an Privat-Leute, als auch an große Unternehmen.

Sanity

Sanity.io kommt aus Norwegen und wurde Ende 2017 als Headless CMS gelauncht. Sanity hat ein recht eigenes Konzept: Es bietet ein zentrales und kostenpflichtiges Repository für die Speicherung von Inhalten an. Die Autoren- und Administrations-Oberfläche (das "Content-Studio") ist dagegen eine Open Source Software (MIT), die überall installiert und angepasst werden kann. Das Content-Studio arbeitet mit einem erweiterbaren Block-Editor. Die Inhalte (inklusive Rich-Text) werden dabei in dem eigenen JSON-Format portableText gespeichert. Es gibt Bibliotheken zur Transformation von PortableText in Standard-Formate wie Markdown oder HTML. Da auch moderne Editor-Frameworks wie Prosemirror oder Slatejs im Hintergrund mit JSON arbeiten, dürfte diese Form der Content-Lieferung in vielen Fällen interessant sein.

Scrivito

Scrivito ist ein neues Headless- und Cloud-CMS von der Web-Agentur Infopark. Scrivito wurde Anfang 2018 gelauncht und ist neben dem traditionellen CMS "Fiona" das zweite Content Management System der Agentur. Mit Scrivito positioniert sich Infopark laut der eigenen Vergleichsmatrix ein stückweit gegen Contentful und versteht sich auch als Alternative zu WordPress, Drupal und älteren Versionen von Adobe CQ (inzwischen Adobe AEM). Scrivito basiert auf dem beliebten React.js. Die Preise starten bei 4,99 pro Monat für private Accounts mit einem offenen Ende nach oben für Business-Kunden.

Squidex

Squidex.io ist ein Open Source Headless CMS auf Basis von ASP.NET. Squidex steht frei auf GitHub zur Verfügung und kann demnach auch selbst gehostet werden. Alternativ kann man das CMS als kostenpflichtigen Cloud-Service nutzen. Die Preise für den Cloud-Service reichen von kostenlos bis 99,- Euro für Business-Nutzer. Das Projekt wird im Schwerpunkt von Sebastian Stehle (Entwickler) und Quaisar Ahmad (Design) verantwortet und wurde erstmals im Frühjahr 2017 veröffentlicht.

Storyblok

Storyblok ist ein SaaS CMS und Headless Service aus Linz, das seit 2016 auf dem Markt ist. Das Projekt ist aus dem Vorgänger-CMS Kryptonite hervorgegangen und hat dessen Konzept des Visual Editors mit Content-Blocks übernommen. Storyblok ist stark vom BEM-Konzept inspiriert und ermöglicht eine beliebige Verschachtelung von Content-Elementen. Das System bietet eine Content Delivery API und eine Management API zur Darstellung und zur Administration von Inhalten an. Die Preise reichen von 0,- Euro bis 460,- Euro pro Monat. Mit Adidas oder Silhouette zählen bereits einige namhafte Unternehmen zu den Kunden von Storyblok.

Strapi

Strapi ist ein Open Source Headless CMS auf Basis von Node.js. Eher ungewöhnlich für ein Headless CMS ist die Plugin-Architektur und ein (derzeit noch recht bescheidener) Plugin-Marketplace, in dem auch ein Graph-QL-Plugin als alternative zur Standard-REST-API angeboten wird. Über ein Plugin sind auch die User-Roles und User-Rights erweiterbar. Als Datenbanken lassen sich MySQL, MongoDB, MariaDB oder PostgreSQ verwenden. Strapi wird bereits seit 2015 entwickelt und ist mit einem etwa 8-Köpfigen Team bereits vergleichsweise etabliert.

Superdesk

Superdesk ist ein Open Source Headless CMS, mit dem große News-Organisationen und Medien-Unternehmen ihre Newsrooms betreiben können. Gerade für Newsrooms dürfte sich eine Headless-Architektur eignen, um Inhalte unabhängig zu verwalten und auf verschiedene Kanäle und Webseiten auszuspielen. Zu den speziellen Features von Superdesk gehören unter anderem individualisierbare Desks, Workspaces für Stories und typische Newsroom-Automatisierungen. Zusätzlich gibt es Erweiterungen wie einen Redaktions-Planer oder einen Publisher für die Veröffentlichung von Webseiten, womit Superdesk auch als vollständiges entkoppeltes CMS eingesetzt werden kann. Hinter Superdesk steht die tschechische Software-Schmiede Sourcefabrik, die unter anderem die Media-Software Newscoop (Newsrooms-Software), Airtime (Online-Radios), Booktype (Buch-Publishing) und Live Blog (Live-Blogging-Software) betreibt. Letzteres wurde zusammen mit Zeit Online entwickelt. Zu den Nutzern von Superdesk zählen derzeit AAP (Australian Associated Press) und NTB (News Agency of Norway). Superdesk is Open Source und steht auf GitHub öffentlich zur Verfügung. Für mittlere und große Kunden bietet Sourcefabrik einen abgestuften Implementierungs- und Schulungs-Service an.

Takeshape

TakeShape aus den USA ist im Jahr 2017 als weiteres Headless-CMS auf den Markt gekommen. Das System bietet weitestgehend die üblichen Features, erwähnenswert sind eine GraphQL-API, ein einfaches Content-Modelling per Drag & Drop und ein eingebauter Static Site Generator, der mit Nunjucks-Templates (Mozilla) arbeitet. SDKs sind nicht im Angebot. Die Preise starten bei 0,- Dollar für eine Developer-Version mit einem TakeShape-Link. Die weiteren Stufen sind 12,- Dollar (Hobby), 50,- Dollar (Starter), 100,- Dollar (Professional) und ein offenes Ende für Enterprise-Kunden. Die Preise richten sich nach der Anzahl der User, der Einträge und der Features. Das Gründer-Team besteht aus den drei Entwicklern Jesse Vander Does, Andrew Sprouse und Mark Catalano, ansonsten ist über das Unternehmen wenig zu erfahren.

Zesty

Der amerikanische Anbieter Zesty.io ist eine auf Marketing spezialisierte Content-Plattform. Die Plattform wird unter anderem auch als Headless-CMS vermarktet, Kern-Zielgruppe sind jedoch eher Marketing-Profis, Content-Teams und SEO-Spezialisten mit hohen Anforderungen an ein Omni-Channel-Marketing. Dazu bietet Zesty eine Integration von Marketing-Services wie Salesforce, Google Analytics, Optimizely oder Slack an. Für eine Headless-Verwendung gibt es neben einer klassischen REST-API auch zahlreiche Connectoren für Frameworks wie Vue.js oder React.js oder für Static Site Generatoren wie Jekyll oder Hugo. Außerdem bietet Zesty zusätzliche Output-Formate wie RSS, ICS und auch Voice XML zum Beispiel für Alexa und TVML für den Apple TV an. Zesty arbeitet mit der eigenen (Template-)Sprache Parsley. Die Plattform wurde bereits 2010 gegründet und richtet sich an Enterprise-Kunden. Preise sind auf der Webseite nicht veröffentlicht.

Headless-Varianten von traditionellen CMS

Wie bereits mehrfach erwähnt bezieht sich der Begriff "Headless" auf eine bestimmte Architektur und nicht unbedingt auf ein Produkt. Sofern ein System über eine ausgereift API verfügt, kann es grundsätzlich auch zu einem Headless-CMS umgebaut werden.

Einige Systeme bieten sich dazu besonders an, weil sie intern schon immer mit einer ausgereiften API gearbeitet haben. Solche traditionellen CMS mit Headless-Varianten werden auch als Hybrid-Systeme bezeichnet. Zumindest unter den Enterprise CMS bieten inzwischen fast alle Anbieter auch eine Headless-Installation an. Unterhalb der Enterprise-Ebene ist das Angebot eher gemischt: Einige Systeme bieten bereits Hybrid-Verwendungen an, andere sind auf den Zug noch nicht aufgesprungen. Die Liste ist unvollständig und ersetzt keine individuelle Recherche.

CoreMedia

CoreMedia ist ein etabliertes Enterprise Content Management System von der CoreMedia AG aus Hamburg. Auf CMSStash gibt es eine Review zu CoreMedia. Das System ist unter anderem durch seine gute Integration mit Shop-Systemen wie Hypris und WebSphere bekannt. CoreMedia arbeitet mit einem eigenen Content-Server, sodass die Verwaltung der Inhalte und die Darstellung als Webseite schon in der Grund-Architektur getrennt sind. Entsprechend bietet CoreMedia seit einiger Zeit eine Headless-Installation des Systems an. Interessant dürfte für viele sein, dass CoreMedia bei der API auch die neue GraphQL-Syntax unterstützt.

CraftCMS

CraftCMS gehört zu den Newcomern im PHP-Bereich und eignet sich vor allem für den Mittelstand und für Commerce-Seiten. CraftCMS bietet zwar keine fertige Headless-Distribution an, es gibt jedoch mehrere Erweiterungsmöglichkeiten für einen Headless-Einsatz. Dazu zählt die Element-API, die sich recht einfach zu einer Read-Only JSON-API ausbauen lässt. Außerdem kann eine vollständige REST-API entwickelt werden. Eine GraphQL-API lässt sich sogar ohne Konfiguration und Eigen-Entwicklung mit dem CraftQL-Plugin erstellen. Es existiert ein ausführlicher Video-Kurs zum Einsatz von Craft als Headless CMS.

Drupal

Drupal hat in Version 8 das RESTful Webservice Modul integriert, das einen Headless-Ansatz mit Drupal vereinfacht. Inzwischen gibt es mehrere Headless-Distributionen wie zum Beispiel Narwhal von Codelab42, das Community-Projekt contentacms oder die beiden Distributionen Reservoir und Headless Lightning von Acquia. Der Drupal Gründer Dries Buytaert hat außerdem einen langen Artikel verfasst, wie man Drupal entkoppeln kann.

Evoq9

Das Enterprise Content Management System Evoq 9 folgt einer Headless und Decoupled Architektur mit einer API für den Zugriff auf Inhalte, die von der so genannten Liquid-Content-Cloud geliefert werden, ein auf Microsoft Azure basierender Dienst. Die Liquid Content Cloud ist der kopflose (headless) Teil und Evoq9 ist der Kopf des CMS. Damit ist Evoq9 ein vollständiges, aber entkoppeltes Enterprise CMS. Im Unterschied zu ähnlichen Systemen wie eZ oder FirstSpirit nutzt Evoq jedoch einen externen Cloud-Service für die Content-Speicherung, was auf dem CMS-Markt eher selten ist.

Evoq9 ist ein kommerzielles Produkt des Unternehmens DNN Evoq. Vor 2013 hieß das Unternehmen DotNetNuke, was gleichzeitig der Name eines bekannten Open-Frameworks auf Basis von ASP.NET ist.

eZ

eZ ist ein traditionelles Enterprise Content Management System mit einer recht langen Geschichte. eZ Platform, das Herzstück von eZ Enterprise, besteht hauptsächlich aus einem Repository und aus einer Benutzeroberfläche für die Verwaltung der Inhalte. Laut dem Anbieter kann eZ out of the box als Headless CMS genutzt werden, da die Plattform entkoppelt ist, aber immer noch alle notwendigen Komponenten für ein CMS beinhaltet. eZ ist ein selbst gehostetes Open-Source System für große Unternehmen und komplexe IT-Landschaften.

FirstSpirit

FirstSpirit ist ebenfalls ein traditionelles Enterprise Content Management System mit einer recht langen Geschichte. Auf CMSstash gibt es eine kurze Review zu FirstSpirit. Das Unternehmen hinter FirstSpirit ist die e-Spirit AG, die im Jahr 1999 gegründet wurde. Seit 2004 verfolgt FirstSpirit das Konzept einer Content-Integrations-Plattform, die es Nutzern erlaubt, Inhalte aus verschiedenen Quellen in eine Art digitalen Content Hub zu integrieren. Das Unternehmen bewirbt die Plattform als decoupled CMS und hat im Jahr 2016 eine CaaS-Erweiterung publiziert, die den kompletten Inhalte und einzelne Inhalts-Schnipsel über eine API im JSON-Format ausliefert.

Ghost CMS

Beim Thema API und Headless fällt einem sofort das auf Node.js basierende Ghost-CMS ein (zur Review zu Ghost CMS). Tatsächlich war die Node-API bislang jedoch mit dem Admin-Bereich (Ember.js) und dem Template-System (Handlebars) verheiratet und nicht separat nutzbar. Im Januar 2019 hat Ghost die Entkopplung der Systeme verkündet, sodass das CMS mit seiner REST-API nun auch für Headless-Architekturen und JAMstack-Webseiten genutzt werden kann.

Kentico Cloud

Kentico ist ein etablierter CMS provider. In 2016 hat das Unternehmen die Kentico Cloud veröffentlicht. Kentico Cloud bietet "Kentico Draft" für die Content-Produktion, "Kentico Deliver" für die Auslieferung des Contents über eine API und "Kentico Engage" für Analytics und Personalisierungen. Kentico ist im Jahr 2004 als traditioneller CMS Anbieter auf Basis der ASP.NET Technologie an den Start gegangen.

Kirby

Das kleine Flat File CMS Kirby hat mit Version 3 eine vollständige REST-API eingeführt und das Dashboard mit Vue.js vom System entkoppelt. Als Datenbasis können sowohl Files, als auch traditionelle Datenbanken oder jede andere Form des Repositories genutzt werden. Gleichzeitig können über eine Basic-HTTP-Authentication auch externe Webseite auf die Inhalte von Kirby zugreifen. Eine Generierung von API-Keys ist allerdings nicht (out of the box) vorgesehen, damit fehlt ein Kern-Element vollständiger Headless-Architekturen. Auf CMSstash gibt es eine Review zu Kirby.

Plone

Plone ist ein etabliertes Python CMS für den Enterprise-Bereich. Neben der intern plone.api gibt es seit einiger Zeit auch eine Erweiterung für eine REST-API, mit der sich Headless-Konzepte realisieren lassen. Die REST-API soll laut der Plone-Roadmap für 2019 in Version 5.2 in den Core übernommen werden. Derzeit ist die Version 5.2 als Release Candidate verfügbar.

WordPress

WordPress bietet seit Version 4.7 eine relativ vollständige REST-API an, die auch Headless-Ansätze ermöglicht. Es gibt vereinzelte Headless-Projekte für WordPress auf GitHub wie das WordPress React Starter-Kit sowie diverse Tutorials, zum Beispiel die Anleitung auf dev.to zur Entwicklung eines Headless WordPress mit React. Auf CMSstash gibt es eine Review zu WordPress.

Wagtail

Auch der Python-Newcomer Wagtail bewirbt auf seiner Webseite einen Headless-Einsatz, allerdings ist die Dokumentation zur Wagtail-API derzeit nicht aufrufbar. Dafür gibt es einen Blog-Beitrag zur Nutzung der GraphQL von Wagtail und diverse Blog-Posts darüber, wie man das Wagtail-eigene StreamField auch per API nutzen kann.

Regelmäßige Neuigkeiten über Content-Management-Systeme und Website-Publishing gibt es von CMSstash auf Twitter.

Zuletzt aktualisert: 06.06.2019