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Marktübersicht Headless CMS

Autor: Sebastian Schürmanns

Headless Content Management Systeme sind ein viel beschworener Trend. Aber wozu braucht man eigentlich ein Headless CMS und welche Systeme gibt es auf dem Markt? Eine Einführung mit Markt-Überblick und Anwendungs-Beispielen.

Wie ein Headless CMS funktioniert

Wer mit der Headless Architektur bereits vertraut ist und die Anwendungsszenarien kennt, der kann auch direkt zum Markt-Überblick über die Headless CMS springen. Wer das Thema noch nicht einordnen kann: Headless CMS werden meist in Kontrast zu traditionellen oder "monolithischen" Content Management Systemen verwendet. Der Unterschied ist schnell erklärt:

Ein traditionelles CMS bietet drei Komponenten: Ein technisches "Backend" zur Speicherung und Lieferung von Inhalten, eine Autoren- bzw. Administrationsoberfläche (Autoren-Backend) zur Erstellung und Verwaltung von Inhalten und das Frontend, also die eigentliche Webseite. Alle drei Systeme, das technische Backend, das Autoren-Backend und das Frontend, sind normalerweise in einem Produkt und in einer gemeinsamen Code-Basis gekoppelt (coupled).

Ein headless oder decoupled CMS trennt hingegen das technische Backend, die Autoren-Oberfläche und das Frontend. Alle drei Komponenten kommunizieren nur noch über eine Programmier-Schnittstelle miteinander, also einem "Application Programming Interface", kurz API. Unter einem "decoupled" CMS versteht man dabei in der Regel ein vollständiges CMS, bei dem alle drei Komponenten entkoppelt, aber noch in einem Produkt kombiniert sind. Bei einem Headless CMS fehlt dagegen das Frontend, also die generierte Webseite. Das System kümmert sich nur noch um die Speicherung und Auslieferung der Inhalte über eine API und überlässt die Generierung von Webseiten oder allgemein die Darstellung der Inhalte anderen Systemen.

Erklärhung von decoupled und headless CMS

Aber was kann man mit einem Content Management System anfangen, bei dem die Webseite und damit das End-Produkt fehlt?

Anwendungsbeispiele für ein Headless CMS

In der modernen Online- und IT-Welt gibt es viele Szenarien, in denen man die Erstellung einer Webseite von der Verwaltung der Inhalte trennen will. Drei gängige Szenarien als Beispiel:

Content as a Service

Die Begriffe "Content as a Service" (CaaS) oder auch "Content-Hub" fallen sehr häufig im Zusammenhang mit Headless CMS und werden nicht selten als Synonyme verwendet. Hinter dem Begriff Content as a Service steht die Idee, die Inhalte eines Unternehmens zentral in einer Datenbank und unabhängig von deren Verwendung zu verwalten. Apps, Webseiten, Microsites, Shops oder das Intranet sind dann keine eigenen Anwendungen mit abgeschlossenen Inhalten mehr, sondern sie alle greifen über die API auf ein zentrales Content-Repository zurück.

Um diese Architektur noch plastischer zu machen kann man sich einen Fachverlag vorstellen, der zusätzlich zu seiner Webseite und einem Buch-Shop noch Fach-Inhalte über eine API anbietet, zum Beispiel verschiedene Fach-Lexika, die vom Kunden in das eigene Intranet integriert werden können. Der Content-Service des Fach-Verlags ließe sich mit einem Headless-CMS vergleichsweise einfach realisieren.

Große Unternehmen betrieben fast immer mehrere Webseiten, Shops oder andere Anwendungen parallel und setzen dabei gleich mehrere komplexe Content Management Systeme ein. Die Idee, Inhalte zentral und einheitlich zu verwalten kann also sehr reizvoll sein und das Unternehmen von viel technischem Overhead befreien. Viele der bekannten Enterprise-CMS haben auf den Trend daher schon längst reagiert und bieten Headless-Varianten an, mit denen sich solche Szenarien ebenfalls realisieren lassen.

Der Microservice

Bereits seit einigen Jahren werden Microservices als Lösung beinahe aller Probleme gehandelt. Probleme, die vor allem dann entstehen, wenn Web-Anwendungen viele Features haben und nur noch schwer zu warten sind. Zum Beispiel eine online-basierte Vertriebsplattform. Sie besteht aus einer Produkt-Verwaltung, einer Verwaltung von Aufträgen, einer Verwaltung von Vertriebspartnern und vielen anderen Features. Alle Features sind in einer großen Software miteinander verbunden. Wenn dann die Verwaltung der Vertriebspartner geändert werden soll, geht das möglicherweise nicht mehr, ohne auch die Verwaltung der Aufträge zu ändern. Die Abhängigkeiten können extrem komplex werden und sind dann nur noch schwer zu überblicken. Dadurch kann man im schlechtesten Fall kaum noch auf neue Marktanforderungen reagieren.

Um diese Probleme zu lösen teilt man eine große Software in viele unabhängige kleine Software-Bausteine auf, die über eine API Daten austauschen. Die eine Software kümmert sich nur noch um die Verwaltung der Vertriebspartner, die andere nur noch um die Verwaltung der Aufträge. Damit kann jeder Software-Baustein unabhängig voneinander weiterentwickelt werden. Und wenn plötzlich ganz viele Aufträge reinkommen, kann man die Auftrags-Software kurzfristig auf mehrere Server verteilen und so das Wachstum unterstützen.

Über ein Headless-CMS ist so eine Microservice-Struktur auch im Content-Management-Bereich denkbar: Eine Software kümmert sich nur noch um die Verwaltung von Inhalten und kann unabhängig mit anderen Software-Typen wie zum Beispiel einem DAM (Digital Asset Management), einem PIM (Product Information Management), einem CRM (Customer Relations Management) oder Analytics- und Targeting-Tools kombiniert werden, während die Inhalte an unterschiedliche Touchpoints wie Webseiten, Landing-Pages, Shops, Mobile Apps oder IoT-Geräten ausgespielt werden.

Static Websites

Die oben genannten Beispiele sind eher im großen Unternehmens-Umfeld interessant. Headless CMS können jedoch auch für kleine Webseiten eingesetzt werden. Anstatt für eine einfache Webseite eine eigene WordPress-Instanz aufzusetzen kann ein Entwickler einen Content-Service wie Contentful oder Prismic nutzen und die Inhalte über deren API abrufen. Der Autor nutzt dann die Autorenoberfläche des Services und erstellt dort seine Inhalte.

Dieses Szenario ist vor allem für Frontend-Entwickler interessant, die Webseiten mit modernen Frameworks wie Vue, React oder Angular erstellen. Der Frontend-Entwickler ist dann völlig unabhängig von serverseitigen Technologien und nutzt nur noch Frontend-Technologien und APIs zum Bau einer Webseite. Unter dem Stichwort "Serverless Website" oder "Serverless CMS" findet man zum Beispiel auf CSS-Tricks ein Tutorial, in dem Vue.js mit dem Headless CMS Butter kombiniert wird.

Eine andere Möglichkeit ist die Kombination eines Headless CMS mit einem Static Site-Generator. In diesem Fall wird wird der Static Site Generator als eine Art Template Engine genutzt, die sich aus dem Content des Headless-CMS bedient und eine statische Webseite produziert. Die Kombinationsmöglichkeiten sind auch hier wieder extrem groß.

Beide Technologien sind vor allem bei Frontend-Entwicklern beliebt, weil sie sich damit nicht mehr um den unbeliebten Backend-Code kümmern müssen. Buzzwords für diese frontend-fokussierte Art der Entwicklung gibt es viele. Neben dem Stichwort Serverless Website findet man häufig den Begriff JAMStack, der sich allgemeiner auf die Entwicklung mit JavaScript, APIs und HTML-Markup bezieht.

Markt-Überblick: Originäre Headless CMS

Da Headless Content Management Systeme für die oben beschriebenen Anwendungsfälle sehr nützlich sind, gibt es bereits einen recht großen Markt, der derzeit stark wächst. Wichtig ist jedoch zu verstehen, dass Headless Content Management Systeme nicht unbedingt spezielle Produkte sind, sondern eine spezielle technische Architektur für spezielle Anwendungsfälle beschreibt. Das heißt: Man kann inzwischen auch viele traditionelle Content-Management-System wie Drupal, FirstSpirit oder Coremedia als Headless CMS einsetzen, indem man die interne API der Systeme entsprechend nutzt. Traditionelle CMS mit Headless-Varianten werden häufig Hybrid-Systeme genannt, und vor allem im Bereich der Enterprise CMS definieren fast alle Anbieter ihre Produkte inzwischen als Hybrid-Systeme.

In dieser Liste werden erst einmal alle originären Headless CMS vorgestellt. Headless-Varianten von traditionellen Content Management Systemen (Hybrid-Systeme) werden separat weiter unten aufgelistet. Die Listen erheben natürlich keinen Anspruch an Vollständigkeit, werden jedoch regelmäßig aktualisiert.

ButterCMS

ButterCMS ist ein ziemlich neues API-basiertes CMS mit einer Spezialisierung auf Blogs, allerdings kann das System auch für andere Webseiten mit dynamischen Inhalten genutzt werden. ButterCMS ist ein gehosteter Service mit einer Administrations-Oberfläche für Autoren. Die Preise reichen von 24 Dollar bis 166 Dollar pro Monat. Man findet nur wenige Informationen zu dem Unternehmen, vermutlich handelt es sich um ein kleineres Projekt in der Start-Phase.

CloudCMS

CoudCMS gehört zu den Pionieren in den Bereichen Headless CMS und Content as a Service (Caas). Es läuft auf Amazon EC2, nutzt MongoDB und bietet eine ziemlich beeindruckende Anzahl an Features an. Ziemlich beeindruckend sind auch die Preise, die bei 200 Dollar beginnen und bis 1200 Dollar pro Monat steigen. CloudCMS ist ein ausgewachsener Enterprise-Dienst und vermutlich nicht der richtige Anbieter für einen privaten Blog oder ein kleines Startup.

Cockpit

Cockpit gehört zu den wenigen selbst gehosteten Open-Source Lösungen auf dem Headless-Markt. Cockpit ist ein Produkt der Digital-Agentur "agentejo" aus Hamburg. Das System läuft mit PHP, SQLite ooder MongoDB und erfordert Node.js auf dem Server. Es bietet eine Nutzer-Oberfläche sowie eine API zur Auslieferung der Inhalte.

Comfortable CMS

Comfortable ist ein junger Headless Service, der sich allerdings noch in der Beta befindet und nur freie Trial-Accounts anbietet. Eine Preisliste ist derzeit noch nicht veröffentlicht. Die aktuelle REST-API soll bis Ende des Jahres um eine GraphQL-API ergänzt werden.

Contentful

Contentful ist ein CaaS (Content as a Service) ähnlich wie Prismic oder CloudCMS. Contentful bietet SDKs für zahlreiche Programmier-Sprachen und APIs für die Lieferung von Inhalten, für die Erstellung von Content, für Bilder und für eine Vorschau. Contentful ist ein etabliertes Startup mit mehreren Dutzen Angestellten und einer langen Kundenliste. Die Preise starten bei 0,- Euro für private Webseiten und steigen bis 949 Euro pro Monat und mehr für kommerzielle Kunden. Laut der Website von Contentful nutzen bereits einige bekannte Marken wie Nike und Red Bull den Service.

Contentstack

Contentstack wurde im Jahr 2016 von dem SaaS-Anbieter Built.io gegründet. Built bietet seit 2013 mit "Built Flow" eine Plattform as a Service (API-Integrationen) und mit "Built Backend" einen Mobile-Backend-Service an. Contentstack ergänzt diese Produkt-Palette um ein Headless-CMS, das allerdings als eigenständiges Produkt im Markt auftritt. Contentstack bezeichnet sich selbst als Industry-Leader im Headless CMS Markt. Wer von der freien Test-Version überzeugt ist, muss allerdings mit 3.500 Dollar pro Monat tief in die Tasche greifen. Entsprechend prominent ist die Kundschaft und entspechend lang ist die Feature-Liste: Von einer SAML-Integration über einen eCommerce Service bis hin zur Versionierung und einem Content-Rollback wird alles geboten, was man für den Enterprise-Einsatz benötigt. Diverse SDKs für Entwickler sowie Beispiel-Anleitungen für React und Vue, den Static Site Generator Metalsmith oder eine PHP-Integration komplettieren das Bild.

Directus

Directus ist ein weiteres selbstgehostetes Headless Content Management Framework auf Open-Source-Basis. Es wurde von der Digital-Agentur Ranger aus New York entwickelt. Neben der API bietet das System auch eine feature-mächtige und intuitiv zu bedienende Administrations-Oberfläche an. Directus wurde mit PHP (Slim-Framework) und Backbone.js entwickelt und benötigt einen Nginx- oder Apache-Server. Weitere Voraussetzungen sind PHP 5.5+, MySQL 5.2+, pdo_mysql, mysqli, mod_rewrite, curl, fileinfo, gd und mcrypt. Auf cmsstash gibt es eine kurze Einführung in das Headless CMS Directus.

GatherContent

Die meisten headless CMS richten sich mit einer technischen Sprache an Entwickler. GatherContent ist anders. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als "content production platform" mit einem Fokus auf Redakteure. Ihr Produkt promoten sie daher auch nicht als "headless" oder "decoupled" CMS. Stattdessen liest man auf ihrer Webseite Sätze wie "Providing a simple and structured authoring environment for your authors will bring clarity to the editorial process. You'll get the content you need sooner, and in the correct format." Eine angenehme Abwechslung, da oft vergessen wird, dass Content Management Systeme ursprünglich mal als Lösungen für ... Content Manager entwickelt wurden. GatherContent bietet eine Menge Konnektoren zu anderen CMS wie WordPress, Drupal, Expression Engine, Sitecore oder AEM an. Die Preise starten bei 83 Dollar und gehen hoch bis 333 Dollar pro Monat.

Gentics Mesh

Gentics Mesh ist eine junge Headless-Software aus Wien und bereichtert den Headless-Markt um eine weitere, selbstgehostete Open-Source-Lösung (Apache-Licence). Gentics Mesh ergänzt die Software um einen professionellen Support. Die Java-Software kann als Single-JAR-File heruntergeladen werden. Einzige Systemvoraussetzung ist Oracle Java Runtime (Version 1.8.0_40). Gentics Mesh arbeitet unter anderem mit OrientDB als eingebettete Graph-Datenbank und Elasticsearch als Suchmaschine. Mit Blick auf die Features bietet Gentics Mash eigentlich alles, was man von einem Headless-CMS erwartet: Ein Usermanagement, Roles & Permissions, Image Manipulation, Multilanguage-Support, ein Versioning, es gibt sogar ein Plugin-System und auch Clustering wird unterstützt.

GraphCMS

Graph CMS ist ein junges headless CMS-Projekt auf Basis von GraphQL, einer Abfrage-Syntax, die speziell für APIs entwickelt wurde und als Nachfolger von REST gehandelt wird. Das System wurde in Giessen entwickelt und im Jahr 2017 gelaunched. Derzeit steht das System nur als proprietäre Cloud-Service zur Verfügung, im Jahr 2018 sollen jedoch Teile der Software zu einem Open Source Projekt werden. Das CMS hat im Jahr 2017 schon relativ viel Aufmerksamkeit erhalten, man darf gespannt sein, wie sich der Markt und dieser Kandidat in Zukunft entwickeln.

Osmek

Osmek wurde als traditioneller CMS Dienst und Website-Builder im Jahr 2010 gegründet, vollzog dann im Jahr 2012 einen Wechsel hin zu einer Cloud-basierten Content API. Osmek wurde von der Agentur Kemso entwickelt. Auch wenn Osmek vermutlich zu den Pionieren gehört (Osmek bezeichnet sich selbst als die Originale Content API), gibt es kaum Informationen über die Geschichte und die Kunden des Dienstes. Die Preise rangieren zwischen 9 Dollar und 149 Dollar pro Monat, Osmek spricht damit eine andere Zielgruppe als andere US-Dienste wie CloudCMS oder Build an.

Prismic

Prismic ist ein CMS-Backend und ein headless Content Service aus Frankreich. Prismic bietet einen "writing-room" für Autoren und eine "content query API" für Entwickler an. Wie die meisten CaaS Services hat auch Prismic SDKs für verschiedene Programmier-Sprachen. Die Preis-Gestaltung ist recht flexibel von 0 Dollar bis 575 Dollar pro Monat, ähnlich wie Contentful richtet sich der Service damit sowohl an Privat-Leute, als auch an große Unternehmen.

Scrivito

Scrivito ist ein neues Headless- und Cloud-CMS von der Web-Agentur Infopark. Scrivito wurde Anfang 2018 gelauncht und ist neben dem traditionellen CMS "Fiona" das zweite Content Management System der Agentur. Mit Scrivito positioniert sich Infopark laut der eigenen Vergleichsmatrix ein stückweit gegen Contentful und versteht sich auch als Alternative zu WordPress, Drupal und älteren Versionen von Adobe CQ (inzwischen Adobe AEM). Scrivito basiert auf dem beliebten React.js. Die Preise starten bei 4,99 pro Monat mit einem offenen Ende nach oben für Business-Kunden.

Squidex

Squidex.io ist ein Open Source Headless CMS auf Basis von ASP.NET. Squidex steht frei auf GitHub zur Verfügung und kann demnach auch selbst gehostet werden. Alternativ kann man das CMS als kostenpflichtigen Cloud-Service nutzen. Die Preise für den Cloud-Service reichen von kostenlos bis 99,- Euro für Business-Nutzer. Das Projekt wird im Schwerpunkt von Sebastian Stehle (Entwickler) und Quaisar Ahmad (Design) verantwortet und wurde erstmals im Frühjahr 2017 veröffentlicht.

Storyblok

Storyblok ist ein SaaS CMS und Headless Service aus Linz, das seit 2016 auf dem Markt ist. Das Projekt ist aus dem Vorgänger-CMS Kryptonite hervorgegangen und hat dessen Konzept des Visual Editors übernommen. Storyblok ist stark vom BEM-Konzept inspiriert und ermöglicht eine beliebige Verschachtelung von Content-Elementen. Das System bietet eine Content Delivery API und eine Management API zur Darstellung und zur Administration von Inhalten an. Die Preise reichen von 0,- Euro bis 460,- Euro pro Monat.

Superdesk

Superdesk ist ein Open Source Headless CMS, mit dem großen News-Organisationen und Medien-Unternehmen ihre Newsrooms betreiben können. Gerade für Newsrooms dürfte sich eine Headless-Architektur eignen, um Inhalte unabhängig zu verwalten und auf verschiedene Kanäle und Webseiten auszuspielen. Zu den speziellen Features von Superdesk gehören unter anderem individualisierbare Desks, Workspaces für Stories und typische Newsroom-Automatisierungen. Zusätzlich gibt es Erweiterungen wie einen Redaktions-Planer oder einen Publisher für die Veröffentlichung von Webseiten, womit Superdesk auch als vollständiges entkoppeltes CMS eingesetzt werden kann. Hinter Superdesk steht die tschechische Software-Schmiede Sourcefabrik, die unter anderem die Media-Software Newscoop (Newsrooms-Software), Airtime (Online-Radios), Booktype (Buch-Publishing) und Live Blog (Live-Blogging-Software) betreibt. Letzteres wurde zusammen mit Zeit Online entwickelt. Zu den Nutzern von Superdesk zählen derzeit AAP (Australian Associated Press) und NTB (News Agency of Norway). Superdesk is Open Source und steht auf GitHub öffentlich zur Verfügung. Für mittlere und große Kunden bietet Sourcefabrik einen abgestuften Implementierungs- und Schulungs-Service an.

Headless-Varianten von traditionellen CMS

Wie bereits mehrfach erwähnt bezieht sich der Begriff "Headless" auf eine bestimmte Architektur und nicht unbedingt auf ein Produkt. Sofern ein System über eine ausgereift API verfügt, kann es grundsätzlich auch zu einem Headless-CMS umgebaut werden.

Einige Systeme bieten sich dazu besonders an, weil sie intern schon immer mit einer ausgereiften API gearbeitet haben. Solche traditionellen CMS mit Headless-Varianten werden auch als Hybrid-Systeme bezeichnet. Die folgende Auflistung ist natürlich nicht vollständig, sondern soll nur einen Einstieg für die eigene Recherche bieten. Tatsächlich bieten zumindest unter den Enterprise CMS inzwischen fast alle Anbieter auch eine Headless-Installation an.

CoreMedia

CoreMedia ist ein etabliertes Enterprise Content Management System von der CoreMedia AG aus Hamburg. Auf CMSStash gibt es eine Review zu CoreMedia. Das System ist unter anderem durch seine gute Integration mit Shop-Systemen wie Hypris und WebSphere bekannt. CoreMedia arbeitet mit einem eigenen Content-Server, sodass die Verwaltung der Inhalte und die Darstellung als Webseite schon in der Grund-Architektur getrennt sind. Entsprechend bietet CoreMedia seit einiger Zeit eine Headless-Installation des Systems an. Interessant dürfte für viele sein, dass CoreMedia bei der API auch die neue GraphQL-Syntax unterstützt.

CraftCMS

CraftCMS gehört zu den Newcomern im PHP-Bereich und eignet sich vor allem für den Mittelstand und für Commerce-Seiten. CraftCMS bietet zwar keine fertige Headless-Distribution an, es gibt jedoch mehrere Erweiterungsmöglichkeiten für einen Headless-Einsatz. Dazu zählt die Element-API, die sich recht einfach zu einer Read-Only JSON-API ausbauen lässt. Außerdem kann eine vollständige REST-API entwickelt werden. Eine GraphQL-API lässt sich sogar ohne Konfiguration und Eigen-Entwicklung mit dem CraftQL-Plugin erstellen. Es existiert ein ausführlicher Video-Kurs zum Einsatz von Craft als Headless CMS.

Drupal

Drupal hat in Version 8 das RESTful Webservice Modul integriert, dass einen Headless-Ansatz mit Drupal vereinfacht. Inzwischen gibt es mehrere Headless-Distributionen wie zum Beispiel Narwhal von Codelab42, das Community-Projekt contentacms oder die beiden Distributionen Reservoir und Headless Lightning von Acquia.

Evoq9

Das Enterprise Content Management System Evoq 9 folgt einer Headless und Decoupled Architektur mit einer API für den Zugriff auf Inhalte, die von der so genannten Liquid-Content-Cloud geliefert werden, ein auf Microsoft Azure basierender Dienst. Die Liquid Content Cloud ist der kopflose (headless) Teil und Evoq9 ist der Kopf des CMS. Damit ist Evoq9 ein vollständiges, aber entkoppeltes Enterprise CMS. Im Unterschied zu ähnlichen Systemen wie eZ oder FirstSpirit nutzt Evoq jedoch einen externen Cloud-Service für die Content-Speicherung, was auf dem CMS-Markt eher selten ist.

Evoq9 ist ein kommerzielles Produkt des Unternehmens DNN Evoq. Vor 2013 hieß das Unternehmen DotNetNuke, was gleichzeitig der Name eines bekannten Open-Frameworks auf Basis von ASP.NET ist.

eZ

eZ ist ein traditionelles Enterprise Content Management System mit einer recht langen Geschichte. eZ Platform, das Herzstück von eZ Enterprise, besteht hauptsächlich aus einem Repository und aus einer Benutzeroberfläche für die Verwaltung der Inhalte. Laut dem Anbieter kann eZ out of the box als Headless CMS genutzt werden, da die Plattform entkoppelt ist, aber immer noch alle notwendigen Komponenten für ein CMS beinhaltet. eZ ist ein selbst gehostetes Open-Source System für große Unternehmen und komplexe IT-Landschaften.

FirstSpirit

FirstSpirit ist ebenfalls ein traditionelles Enterprise Content Management System mit einer recht langen Geschichte. Auf CMSstash gibt es eine kurze Review zu FirstSpirit Das Unternehmen hinter FirstSpirit ist die e-Spirit AG, die im Jahr 1999 gegründet wurde. Seit 2004 verfolgt FirstSpirit das Konzept einer Content-Integrations-Plattform, die es Nutzern erlaubt, Inhalte aus verschiedenen Quellen in eine Art digitalen Content Hub zu integrieren. Das Unternehmen bewirbt die Plattform als decoupled CMS und hat im Jahr 2016 eine CaaS-Erweiterung publiziert, die den kompletten Inhalte und einzelne Inhalts-Schnipsel über eine API im JSON-Format ausliefert.

Kentico Cloud

Kentico ist ein etablierter CMS provider. In 2016 hat das Unternehmen die Kentico Cloud veröffentlicht. Kentico Cloud bietet "Kentico Draft" für die Content-Produktion, "Kentico Deliver" für die Auslieferung des Contents über eine API und "Kentico Engage" für Analytics und Personalisierungen. Kentico ist im Jahr 2004 als traditioneller CMS Anbieter auf Basis der ASP.NET Technologie an den Start gegangen.

WordPress

WordPress bietet seit Version 4.7 eine relativ vollständige REST-API an, die auch Headless-Ansätze ermöglicht. Es gibt vereinzelte Headless-Projekte für WordPress auf GitHub wie das WordPress React Starter-Kit sowie diverse Tutorials, zum Beispiel die Anleitung auf dev.to zur Entwicklung eines Headless WordPress mit React.

Wagtail

Auch der Python-Newcomer Wagtail bewirbt auf seiner Webseite einen Headless-Einsatz, allerdings ist die Dokumentation zur Wagtail-API derzeit nicht aufrufbar. Dafür gibt es einen Blog-Beitrag zur Nutzung der GraphQL von Wagtail und diverse Blog-Posts darüber, wie man das Wagtail-eigene StreamField auch per API nutzen kann.

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Zuletzt aktualisert: 18.09.2018