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Adobe Experience Manager (AEM)

Autor: Sebastian Schürmanns

Der Adobe Experience Manager (AEM) ist ein Enterprise Content Management System für komplexe Web-Auftritte. AEM ist Teil der Adobe Marketing Cloud, die eine Gesamtlösung für das Digitale Marketing und die digitale Kommunikation verspricht.

Screenshot of the AEM homepage

AEM ist der Nachfolger des Content-Management-Systems "CQ" der Schweizer Firma "Day Software". Die Software war bereits damals bei vielen großen Konzernen vorwiegend aus dem Automobil-Sektor im Einsatz. Im Jahr 2010 wurde die Software von Adobe übernommen, in AEM umbenannt und in die neue Marketing-Cloud integriert. Ein weiteres Produkt innerhalb der Cloud ist Adobe Analytics, das aus der Übernahme der Software "Omniture" hervorgegangen ist.

AEM ist ein Enterprise CMS für den Einsatz in Groß-Unternehmen und Konzernen mit hohen Anforderungen und einer komplexen Infrastruktur.

AEM für Content Manager

AEM verfolgt ein sehr flexibles Konzept für Autoren und erinnert, je nach Konfiguration, in vieler Hinsicht an einen Website-Builder. Die Erstellung einer Seite erfolgt dabei in drei Schritten:

Vor allem das Konzept der Komponenten macht das System extrem flexibel. Templates geben häufig (je nach Implementierung) nur eine grundsätzliche Struktur der Seite vor und regeln, welche Komponenten auf der Seite verwendet werden dürfen. Über die verschiedenen Komponenten erfolgt dann die eigentliche Gestaltung der Seite. Eine Komponente ist eine Art Container, der entweder Inhalte wie Texte, Bilder oder Slideshow enthalten kann, oder Strukturen wie zum Beispiel Spalten vorgibt. Der Autor kann eine Text-Komponente, eine Slide-Show-Komponente und eine FAQ-Komponente auf die Seite ziehen und die Komponenten anschließend mit Inhalten füllen. Oder er verwendet eine Listen-Komponente aggregiert damit beispielsweise die letzten Beiträge aus einem bestimmten Seitenbaum oder mit speziellen Tags. Der Autor kann also völlig ohne die Hilfe von Entwicklern und auch ohne Plugins mit den vorhandenen Komponenten eine sehr individuelle Seite erstellen.

Trotz dieser sehr hohen Flexibilität bleibt Bedienbarkeit des System recht intuitiv. Die verfügbaren Komponenten können über einen Komponenten-Finder einfach per Drag & Drop in die Seite integriert werden. Genauso können auch Inhalte wie Bilder über den Content-Finder per Drag & Drop in die Komponenten gezogen werden. Die Erstellung von Text erfolgt per Inline-Editing im WISYWIG-Modus. Schöpft man die vorhandenen Möglichkeiten voll aus, dann werden einzig die Meta-Daten einer Seite über traditionelle Formulare eingegeben.

Screenshot of the AEM dashboard

Die enorme Flexibilität des Systems birgt für den Autor allerdings auch Gefahren. Theoretisch ist es möglich, einem Template gar keine Regeln mitzugeben und die Seitengestaltung komplett dem Autoren zu überlassen. Dabei ist auch eine Verschachtelung mehrere Komponenten ineinander möglich, sodass der Autor zuerst die Seite mit einer Spalten-Komponente strukturieren kann, dann eine FAQ-Komponente integriert, in die FAQ-Komponente eine Slide-Show-Komponente einbettet, die wiederum mehrere Bild-Komponenten aufnehmen kann.

Allerdings sind stark verschachtelte Komponenten in vielen Fällen selbst für erfahrene Online-Redakteure nur noch sehr schwer zu bedienen. Außerdem droht bei derart großen Gestaltungsspielräumen auch schnell ein Wildsuchs, der dann wieder über Redaktionsregeln bekämpft werden muss. Mehr als bei anderen Systemen entscheidet bei AEM daher das Konzept und die individuelle Implementierung über Himmel und Hölle. Man muss genau abwägen, wie viel Gestaltungsspielraum wirklich sinnvoll ist und ab wann die Freiheit die tägliche Redaktions-Routine eher behindert.

AEM ist in den letzten Versionen stark in Richtung mobiler Anwendung gegangen und setzt auf eine voll responsive Touch-UI für Autoren und Administratoren. Die für Desktops ausgelegte Classic-UI läuft dagegen aus. Die Touch-UI wirkt natürlich sehr modern, kann in der Handhabung auf Desktop-Geräten allerdings auch als weniger effizient empfunden werden, als die Classic-UI.

Wenn ein volles Inline-Editing nicht gewünscht ist, können auch Zwischenstufen konfiguriert werden, bei denen sich pro Komponente ein klassischer Editor öffnet.

Daneben bietet AEM natürlich alles, was man von einem Enterprise-System erwartet: Workflows, ein Digitales Asset-Management (DAM), Nutzer-Rechte und sogar digitale Post-Its, die im Freigabeprozess auf eine Seite gepinnt werden können. Sofern man sich an einen Anbieter binden will, kommt einem natürlich auch die Integration von AEM in andere Produkte der Marketing-Cloud zu Gute (Analytics, Targeting etc.).

AEM für Entwickler

Wie viele andere Enterprise-CMS basiert auch AEM auf Java. Überraschenderweise arbeitet AEM allerdings nicht mit relationalen Datenbanken. Stattdessen verfolgt AEM sein eigenes Konzept mit dem Namen CRX ( Content Repository eXtreme). Laut Adobe ist CRX eine Art "Super File-System", das Charakteristiken eines konventionellen File-Systems mit dem einer relationalen Datenbank verbindet. Das heißt, AEM ähnelt bis zu einem gewissen Grad NoSQL-, XML- und Flat-File-Systemen. Soweit ich überblicke, ist AEM im Enterprise-Bereich das einzige System mit einem derartigen Konzept. Aber natürlich gibt es auch für AEM Konnektoren für Datenbanken wie Oracle oder SQL.

Um aus der Vielzahl der technischen Aspekte von AEM ein paar Beispele zu nennen:

Für eine ausführliche Liste ist AEM natürlich zu komplex, wer sich in das System einarbeiten will, kann dazu die Dokumentation verwenden.

Kosten

Adobe hat keine Preise für AEM publiziert und es gibt kein öffentliches Lizenz-Modell. In der Regel richten sich die Lizenzkosten bei Content-Management-Systemen nach der Zahl der Installationen, der Anzahl der Autoren und nach ähnlichen Parametern.

Wer eine ungefähre Hausnummer zur Orientierung benötigt: In der Regel kann man bei Systemen dieser Kategorie eine Dezimal-Zahl seiner Wahl nehmen und noch vier Nullen dranhängen. Und da sich AEM eher am oberen Ende dieser Skala bewegt, kann bei komplexen Projekten auch noch eine Null hinzukommen. Bei der Kalkulation darf man die externen Dienstleister nicht vergessen, die für AEM-Spezialisten ebenfalls entsprechende Summen aufrufen.

Empfehlung: Wann macht AEM Sinn?

Die Antwort ist ziemlich offensichtlich: Bei sehr großen Unternehmen mit komplexen Anforderungen und einem entsprechenden Budget. Die Integration in eine Cloud von High-End-Lösungen, mit denen sich die digitalen Anforderungen ganzer Marketing- und Kommunikations-Abteilungen aus einer Hand bedienen lassen, ist natürlich ein weiterer Faktor. Außerdem lässt sich AEM auch mit PIMs wie Hybris oder Shops wie Elastic Path und Intershop kombinieren.

Trotz seiner High-End-Ausrichtung hat sich AEM in den letzten Jahren nicht nur im DAX-Bereich bewegt, sondern ist zunehmend auch in den größeren Mittelstand vorgedrungen. Die Frage, ob ein Einsatz in einem mittelgroßen Unternehmen sinnvoll ist, hängt jedoch nicht nur vom Budget ab, sondern unter anderem auch davon, ob das Unternehmen die Komplexität des Systems technisch und konzeptionell bewältigen kann.

Einige der bekannten Marken, die AEM nutzen, sind Audi, Volkswagen, Hyatt, Ford, Philips, Intel, Cisco, Kolleggs oder Blackberry.

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Zuletzt aktualisert: 18.09.2018