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HTMLy: Ein Flat-File-CMS für Blogger

Autor: Sebastian Schürmanns

HTMLy ist ein leichtgewichtiges Flat-File-System speziell für Blogs. Wer einen einfachen und schnellen Standard-Blog ohne großen Installations-, Konfigurations- und Pflegeaufwand sucht, der ist mit HTMLy gut bedient.

HTMLy wurde erstmals im Jahr 2013 von dem Entwickler Danang Probo Sayekti veröffentlicht. Seit 2017 wird HTMLy allerdings nicht mehr weiterentwickelt und ein Co-Moderator, der dem Projekt neues Leben einhaucht, ist bislang nicht gefunden. Für neue Webseiten sollte man sich daher besser nach Alternativen im Flat-File-Bereich umschauen.

Screenshot der HTMLy-Webseite

Grundsätzlich war HTMLy recht vielversprechend: Als kleines und schlankes CMS verfügte es über alle notwendigen Features für den Betrieb eines einfachen Blogs. Es gibt verschiedene Content-Typen für Posts nach dem Muster von Tumblr, außerdem gibt es Related Posts, RSS-Feeds und die Möglichkeit, externe Kommentar-Systeme einzubinden. Eine der Stärken von HTMLy ist seine sehr hohe Performance, die auch noch bei hunderten von Inhaltsseitens konstant bleibt.

HTMLy für Autoren

HTMLy wurde nicht unbedingt für Ästheten und Design-Enthusiasten entwickelt. Die Administrations-Oberfläche wirkt eher zweckmäßig und nicht unbedingt modern. Die reichlich schmucklose Gestaltung des Autorenbereichs unterstreicht noch einmal den Fokus, den HTMLy auf Zweckmäßigkeit legt.

Ähnlich wie Tumblr unterstützt HTMLy verschiedene Arten von Content-Beiträgen. Neben normalen Text-Inhalten gehören dazu Zitate, Bilder sowie Audio- und Video-Beiträge. Dabei unterstützt HTMLy allerdings nur spezielle Plattformen wie YouTube für Videos oder Soundcloud für Audio-Streams. Wer diese Plattformen ohnehin nutzt, für den ist HTMLy ein schneller Startpunkt für das Instant-Blogging. Wer allerdings andere Plattformen wie Vimeo nutzt, muss HTMLy dafür eigenhändig erweitern.

Die eingebauten Features bieten alles, was man für einen normalen Standard-Blog benötigt: Beiträge, Entwürfe, Tags, Feeds, Kommentare (mit Disqus), Social-Media-Buttons, eine Google-Sitemap, Content-Teaser, Read-More-Buttons, verwandte Artikel, neueste Posts, beliebteste Beiträge, Permalinks sowie die Integration von Facebook, Google Analytics und Google Publisher. Für die Konfiguration bietet HTMLy ein langes Formular im Admin-Bereich an, es werden also keine Code-Kenntnisse benötigt.

HTMLy nutzt für die Erstellung von Inhalten die Auszeichnungssprache Markdown und bietet eine WYSIWYG-Preview in einem Split-Screen an. Auch Autoren, die bislang mit HTML-Editoren gearbeitet haben, dürften damit gut zurechtkommen.

HTMLy für Entwickler

Gerade Einsteiger und PHP-Puristen dürften ihren Gefallen an dem CMS finden. HTMLy ist in PHP geschrieben und hat eine sehr schlanke Code-Basis. Sogar die Templates sind mit einfachem HTML und PHP erstellt, auf Hilfsmittel wie Twig oder YAML verzichtet das System komplett. Die Dokumentation kann man in weniger als einer Stunde durchlesen und das erste Projekt dürfte man inklusive Einarbeitung in wenigen Stunden vollendet haben.

Für Themes unterstützt HTMLy neun eingebaute Funktionen, die als "Widgets" genutzt werden können:

search()
menu()
recent_posts()
popular_posts()
archive_list()
tag_cloud()
category_list()
get_related($p->related)
recent_type($type)

Vor allem fortgeschrittene Entwickler werden diesen Purismus allerdings auch als Nachteil empfinden: Es werden keine verbreiteten Technologien verwendet und einige genutze Bibliotheken wie der Markdown-Editor entsprechen schon lange nicht mehr dem State of the Art. Einsteiger werden sich vermutlich über den überwiegend prozeduralen Stil der Code-Basis freuen, heute ist aber eigentlich Objekt-Orientierung der Standard. Individuelle Themes sind mit den "Widgets" zwar kein Problem, allerdings ermöglicht HTMLy keine Erweiterung über Plugins. Wer wirklich eigenständige Features entwickeln will, muss wohl oder übel in den Core-Code eingreifen.

Inzwischen kann man HTMLy trotz der immerhin 500 Stars auf GitHub eher als vergangenes Experiment ansehen. Es ist durchaus erfrischend, wie HTMLy ein Blog-System mit einfachsten Mitteln ermögllicht. Die Einstellung des Projekts hat jedoch sicherlich auch damit zu tun, dass das Konzept nicht mehr ganz zeitgemäß ist.

HTMLy für Nicht-Entwickler

HTMLy erinnert hin und wieder an ein schlankes WordPress ohne Plugins. Es wird mit fünf fertigen Themes ausgeliefert, von denen jedes über vergleichsweise umfangreiche Konfigurationsmöglichkeiten angepasst werden kann. Für Einsteiger in die Web-Entwicklung dürfte HTMLy aufgrund seiner vergleichsweise einfachen Code-Basis ein guter Startpunkt zumindest in die Theme-Entwicklung sein. Ähnlich wie bei WordPress kann mein einfache Hilfs-Funktionen kopieren und so sein Theme anpassen oder komplett neu entwickeln. Allerdings steht im Vergleich zu WordPress nur eine sehr dünne Dokumentation zur Verfügung, die es Neulingen wiederum schwer machen dürfte.

Preise

HTMLy ist mit all seinen Themes und Erweiterungen kostenlos und Open Source.

Empfehlungen: Wann macht HTMLy Sinn?

Aufgrund der eingestellten Weiter-Entwicklung kann man die Verwendung von HTMLy nicht mehr empfehlen. Zum Glück gibt es jedoch reichhaltige Alternativen unter den Flat-File-CMS. Als Wenn es sehr einfach und schnell gehen soll, kann man HTMLy natürlich immer noch nutzen. Zudem ist es als Experimentierfeld für Code-Neulinge möglicherweise interessant, da man mit sehr einfachen und übersichtlichen Mitteln ein paar erste Erfolgserlebnisse erzielen kann.

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Zuletzt aktualisert: 17.10.2018