CMSstash

Kapitel 1

Der CMS Vergleich: Die besten Systeme finden

Wer bei einem CMS Vergleich nur etablierte Systeme wie WordPress, Typo3 oder Drupal berücksichtigt, verpasst vielleicht den besten Kandidaten. Denn auch unter den Newcomern gibt es einige Perlen, die durch eine gute Usability und eine schlanke Technologie punkten. Doch genau da liegt das Problem: Bei mehreren hundert Content Management Systemen fällt ein sinnvoller CMS Vergleich nicht nur den Nutzern schwer, sondern auch den Dienstleistern und Entwicklern. Ein grober Überblick über den Markt und ein paar grundsätzliche Regeln erleichtern oft die Auswahl.

Die wichtigste Regel bei einem CMS Vergleich lautet, dass es nicht das beste CMS für alle Webseiten gibt, sondern nur einige passende CMS für eine individuelle Situation. Und je genauer man die Situation beschreibt und die Anforderungen an das CMS formuliert, desto leichter fällt am Ende die Wahl.

Einfache Webseiten

Gerade für einfache Webseiten wird durch die Dominanz weniger CMS fast immer eine unnötig komplexe Technologie eingesetzt. Das gilt für die meisten Webseiten von Privatleuten und auch für viele Websites von Selbständigen oder kleinen Unternehmen. Gerade für diesen Bereich haben sich in den letzten Jahren sehr viele gute Alternativen entwickelt.

Einen Static Site Generator kann man allerdings nur begrenzt zu diesen Alternativen rechnen, auch wenn die Static Site Generatoren in der Entwickler-Szene seit Jahren sehr beliebt sind. Das erforderliche technische Know How zur Bedienung eines Static Site Generators hat bislang ein Überschwappen in den nicht-technischen Mainstream verhindert. Generatoren wie Lektor, die zumindest eine rudimentäre Autorenoberfläche bieten, sind derzeit noch die Ausnahme. Recht vielversprechend sind Online-CMS wie Forestry.io, die eine webbasierte Autorenoberfläche für Static Site Generatoren bieten. Auch Desktop-Anwendungen wie Mobirise oder Publii greifen das Konzept der statischen Webseiten auf, richten sich jedoch mit einer vollwertigen CMS Oberfläche explizit an technische Laien. Der große Pluspunkt von statischen Webseiten ist ihre unschlagbare Performance und die sehr hohe Sicherheit.

Eine Alternative können auch kleine Scripte und Remote-Dienste bieten, mit denen sich statische Webseiten nachträglich editieren lassen. Die Möglichkeiten sind allerdings auf kleinere Änderung bestehender HTML-Seiten begrenzt. Eine echte Seitenverwaltung ist mit diesen Tools nicht möglich.

Die vielleicht beste Alternative für einfache Webseiten bieten die jungen Flat File CMS. Flat File Systeme verzichten auf Datenbanken und sind schlank, einfach in der Anwendung und dennoch enorm flexibel in der Entwicklung. Neben dem beliebten Pionier Kirby haben sich in den letzten Jahren das kleine Enterprise-CMS Statamic und das Open Source System Grav etabliert. Gerade Kirby und Statamic bieten zudem eine hervorragende Usability. Und wem Grav in dieser Hinsicht nicht gefällt, sollte das sehr gute und einfache CMS Bludit mal testen.

Webseiten für den Mittelstand

Für komplexere Webseiten, wie sie im größeren Mittelstand häufig nachgefragt werden, kann man den Einsatz der bekannten CMS wie WordPress, Drupal, Typo3 oder Joomla noch am ehesten rechtfertigen. Denn die Systeme haben sich über viele Jahre bewährt. Doch auch für diesen Einsatzbereich gibt es zahlreiche Alternativen und vor allem viele jüngere CMS, die in Sachen Usability und moderner Technik deutlich überlegen sind.

Shooting-Star dürfte das junge Craft CMS sein, das auch für den E-Commerce einiges zu bieten hat. Craft CMS ist im Umfeld von ExpressionEngine entstanden und wirkt in vieler Hinsicht wie der große Bruder des kleineren Flat-File-CMS Statamic. Weitere Kandidaten für den Mittelstand sind das jüngere System OctoberCMS. Auch Sulu, Bolt und PageKit oder die etablierteren Systeme Redaxo oder Contao machen in so einem CMS Vergleich Sinn. Wenn man die PHP-Welt verlässt, stößt man beispielsweise auf Python-Systeme wie Wagtail oder Django-CMS, das mit einem ausgesprochen leichten und nutzerfreundlichen Autorenkonzept punktet.

Enterprise CMS

Große Unternehmen und Konzerne stellen meist sehr komplexe Anforderungen an ein Content Management System. Es gibt nur gut ein Dutzend Enterprise CMS, die solche Anforderungen erfüllen können. Zu den festen Größen im Big Business gehören Adobe AEM, CoreMedia, FirstSpirit, Liferay, Bloomreach, CrownPeak, Episerver, SiteCore und einige mehr. Die Branche der Enterprise CMS ist geprägt von vielen Trends, technischen Neuerungen und einem permanenten Wandel.

Den größte Trend der letzten Jahre haben zweifelsfrei die neuen Headless CMS losgetreten. Viele der jüngeren Headless CMS sind Cloud-Dienste, die sich auch für einfache Webseiten und Mittelständler anbieten. Das größte Potenzial dürfte jedoch im Enterprise-Bereich schlummern, denn im komplexen Umfeld kann die Flexibilität dieser neuen CMS Architektur voll zur Geltung kommen. Entsprechend sind viele traditionellere Enterprise Content Management Systeme schon längst auf den Zug aufgesprungen und bieten neben Cloud-Varianten auch Headless-Installationen an. Aber auch neue Headless CMS wie GraphQL, Gentics Mesh, Storyblok oder Superdesk schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden.

Wie jeder neue Hype birgt auch der Headless-Trend neben den Chancen eine Gefahr. Und zwar die Gefahr hoher Aufwände, wenn durch pauschale Beurteilungen zu einem Headless-System gegriffen wird, auch wenn die naheliegende Lösung ein klassisches CMS gewesen wäre. Bei der Auswahl eines CMS sollte man daher trotz des Hypes um Headless einen kühlen Kopf bewahren und die verschiedenen Optionen systematisch vergleichen.

Warum der CMS Vergleich lohnt

Man sieht: Das Anbegot ist komplex und ein sinnvoller CMS Vergleich nicht immer einfach. Zumal viele Verfechter einzelner Systeme gerne ins Feld führen, dass sich mit jedem modernen CMS so gut wie alle Anforderungen erfüllen lassen. Was nicht passt, wird eben passend gemacht, daher ist die Wahl des CMS nach dieser Argumentation zweitrangig.

Auch wenn die Argumente auf den ersten Blick verfangen, verkennen sie einen zentralen Punkt: Der Erfolg eines neuen CMS hängt ganz wesentlich von der Akzeptanz der Anwender ab. Entscheidend ist nicht, ob ein CMS irgendwie funktioniert, sondern wie gut es die Anwender in ihrer Arbeit unterstützt. Nur dann tritt der berühmte Return on Investment ein. Im anderen Fall sind Content Management Systeme lediglich Kostenträger, die durch umständliche Klickstrecken, hohe Wartungsaufwände oder Sicherheitslücken die Produktivität verhindern. Daher zahlt sich die oft mühsame Suche nach einem passenden CMS früher oder später immer aus.