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Static Site Generatoren im Überlick

Autor: Sebastian Schürmanns

Mit einem Static Site Generator wie Jekyll, Hugo oder Hexo lassen sich große statische Webseiten, Blogs oder Dokumentationen komplett ohne ein CMS erstellen. In der Entwickler-Szene sind Static Site Generatoren seit vielen Jahren en vogue und mit Docusaurus ist jüngst sogar Facebook mit einem eigenen Tool ins Rennen gegangen.

Die Startseite des Static Site Generators Hugo

Doch trotz des großen Marktes mit über 200 verschiedenen Tools ist der Trend hin zur statischen Webseite bislang nicht aus einer technischen Nische herausgekommen. Das könnte sich in Zukunft jedoch ändern. Denn neue Konzepte wie das Desktop-CMS Publii richten sich vornehmlich an End-Anwender, während im Enterprise-Bereich eine Kombination aus einem Static Site Generator und den neuen Headless-CMS gerade Karriere macht. Auch externe Autoren-Oberlächen wie Forestry.io oder integrierte Admin-Dashboards wie bei dem Generator Lektor bereiten zumindest einen kleinen Pfad in den Mainstream.

Marktüberblick

Einen passenden Static Site Generator zu finden fällt bei dem riesigen Angebot nicht ganz leicht: Mehr als zweihundert Systeme listet alleine die Webseite StaticGen auf. Dabei gibt es für beinahe jede Programmier-Sprache und für jedes Framework gleich mehrere Static Website Generatoren zur Auswahl. Um ein paar Beispiele aufzulisten:

Sprache Static Site Generator
Ruby Jekyll, Middleman, Octopress, Nanoc
JavaScript Docusaurus (React.js), Hexo (Node.js), Gatsby (React.js), Nuxt (Vue.js), Metalsmith (Node.js), Brunch, Harp, Wintersmith (CoffeScript), Phenomic (React.js), Wheat (Node.js)
Go Hugo
Python Pelican, MKDocs, Cactus, Lektor, Hyde, Sphinx
PHP Sculpin, Daux, Couscous
Bash Expose
Haskell Hakyll

Es gibt jedoch nicht nur statische Site Generatoren für Blogs und Websites, sondern auch Generatoren für speziellere Anwendungsgebiete. Beinahe zeitgleich mit Jekyll ist im Jahr 2008 zum Beispiel Sphinx entstanden, ein Static Site Generator für Code-Dokumentationen. Im Bereich der Dokumentation ist zuletzt auch Facebook eingestiegen und hat Ende 2017 mit Docusaurus einen komplett neuen Static Site Generator ins Rennen geschickt. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Erstellung von E-Books mit einem Static Website Generator wie GitBook und Bookdown. Weitere spezialisierte Kandidaten sind:

Spezialisierung Static Site Generator
Eher Blogs Jekyll, Hexo, Pelican, Octopress, Wheat
Eher Webseiten Hugo, Gatsby, Metalsmith, Middleman, Wintersmith
Code-Dokumentationen Docusaurus, MKDocs, Sphinx, DocFX, Couscous, Daux
Bücher GitBook, Bookdown, mdBook

Wer einen passenden Static Site Generator sucht, sollte also erst einmal den Angebots-Dschungel durchforsten und sich ein Bild über die verschiedenen Anwendungsgebiete machen. Allerdings sollte man sich auch über die Funktionsweise und über die Möglichkeiten bzw. Grenzen von statischen Website Generatoren informieren. Denn sie unterscheiden sich deutlich von vollwertigen Content Management Systemen und sind längst nicht für jeden Anwendungsfall geeignet.

Dynamische und statische Systeme

Auch wenn Static Site Generatoren und statische Webseiten generell als moderner Trend wahrgenommen werden, knüpft die Entwicklung in Wahrheit an die frühen Zeiten der Webseiten-Entwicklung an. Damals wurden statische Webseiten mit Programmen wie Dreamweaver oder Frontpage erstellt. Und auch die frühen Content Management Systeme produzierten meist statische Webauftritte. Erst später gewannen dynamische Systeme wie WordPress und Co. die Oberhand und ermöglichten mit ihrer höheren Flexibilität das Web2.0.

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Der große Unterschied zwischen dynamischen und statischen CMS kommt beim Publizieren einer Webseite zum Tragen. Veröffentlicht ein Autor in einem dynamischen CMS eine neue Seite, dann wird lediglich ein Zugriff auf die Seiten-Inhalte gewährt. Beim Besuch der Seiten-URL werden die Inhalte beispielsweise aus einer Datenbank gelesen und die Seite wird dynamisch erzeugt. Zum Zeitpunkt des Seitenbesuchs wird also eine Menge Code ausgeführt.

Bei einem statischen CMS wird der Code nur einmal bei der Veröffentlichung der Seite ausgeführt. Dabei generiert das System eine fertige Webseite und legt sie als statisches HTML in einem Verzeichnis ab. Beim Besuch der Seite wird kein Code mehr ausgeführt, sondern lediglich die fertige HTML-Seite ausgeliefert.

Statische Systeme sind natürlich wesentlich sparsamer, sicherer und schneller. Vor allem aufgrund ihrer hohen Performance sind sie auch nie vollständig aus dem Enterprise-Bereich verschwunden. Als Beispiele kann man das inzwischen nicht mehr existierende ECMS Gauss oder auch das teil-statische CMS FirstSpirit nennen. Dynamische Systeme versuchen ihren Mangel an Geschwindigkeit und ihren hohen Rechen-Verbrauch durch serverseitige Caching-Logiken abzufangen. Das Caching, also die Zwischenspeicherung der dynamischen Seiten auf dem Server, kann allerdings sehr schnell zu einer komplexen Technologie anwachsen.

Trotzdem haben auch statische Systeme ihre Nachteile: Schon bei der kleinsten Änderung im Footer muss der gesamte Web-Auftritt neu generiert werden. Fügt man seinem Auftritt einen neuen "tag" hinzu, müssen anschließend alle Tag-Seiten (z.B. Übersichtsseiten) im Vorfeld erzeugt werden. Und auch einfache Kommentare und andere Interaktionen mit dem User sind mit statischen Systemen nicht ohne weiteres möglich. Die Entstehung des Web2.0 wäre ohne dynamische Systeme also kaum denkbar gewesen.

Static Site Generatoren: Unterschiede zum CMS

Trotz der beschriebenen Nachteile wird die statische Webseite mitten im Web2.0-Zeitalter wiederentdeckt. Und moderne Static Site-Generatoren sind sogar noch wesentlich reduzierter als die statischen Content Management Systeme. Denn Static Site Generatoren übernehmen zwar die Logik der statischen Seitengenerierung. Anders als vollwertige CMS bringen die Generatoren jedoch keine Administrationsoberfläche für die Verwaltung der Webseite und auch keine Autorenoberfläche zur Erstellung der Inhalte mit.

Neue Web-Auftritte werden also im einfachsten Fall auf dem Rechner erzeugt und dann per FTP auf den Server geladen. Zwar gibt es verschiedene Strategien, die Administration der Webseite komplett in das Web zu verlagern und eine "Deployment-Kette" zu bauen. Allerdings bleibt dieses Deployment bei statischen Site Generatoren immer ein recht hürdenreiches Unterfangen, während man sich bei vollwertigen Content-Management-Systemen um solche Fragen nicht kümmern muss.

Gründe für den Aufstieg

Trotz dieser umständlichen Workflows bringen Site-Generatoren viele Vorteile mit, die für technische Anwender und dort vor allem für Web-Designer und Frontend-Entwickler spannend sind:

Es gibt jedoch auch noch ein paar übergeordnete IT-Trends, die die Static Site Generatoren interessant machen können:

All diese Trends sind derzeit jedoch nur für die IT interessant. Für Autoren und Anwender sind diese Entwicklungen weder sichtbar, noch spürbar. Stattdessen sind sie bei Static Site Generatoren mit Workflows und Tools wie der Konsole, mit Git, mit Markdown oder mit FTP-Uploads konfrontiert. Damit lässt sich die nötige Akzeptanz im Mainstream natürlich nur schwer erreichen.

Im Dienstleistungs- und Enterprise-Bereich ist die Verbreitung solcher Trends dagegen wahrscheinlicher, weil dort das notwendige technische Know-How vorhanden ist und Argumente wie Sicherheit, Performance und Kostensenkungen schwerer wiegen. Für den Mainstream werden Static Site Generatoren jedoch nur interessant, wenn die Workflows am Ende ähnlich einfach sind, wie bei vollwertigen Content Management Systemen.

Vom Static Site Generator zum CMS

Die Notwendigkeit, die Workflows von Static Site Generatoren auch für normale Anwender zu vereinfachen, ist natürlich auch den Entwicklern bewusst. Daher sind in den letzten Jahren eine Vielzahl an Tools und Strategien entstanden, die den Einsatz von statischen Webseite-Generatoren vereinfachen sollen. Die Bandbreite sieht ungefähr so aus:

Ausblick

Statische Site Generatoren haben bislang noch nicht den Sprung in den Mainstream geschafft. Dafür ist der Ansatz der Generatoren einfach zu technisch. Hinzu kommt, dass die Vorteile von Static Site Generatoren gegenüber älteren und komplexen Systemen wie WordPress zwar gewichtig klingen, im Vergleich zu jungen Content Management Systemen oder schlanken Flat File Systemen jedoch stark verblassen. Im Dienstleistungs- und Enterprise-Bereich könnten sich Static-Site-Generatoren als ein Baustein in einer neuen Architektur mit Microservices und entkoppelten Systemen etablieren. Aussichtsreich ist zum Beispiel eine Kombination mit den neuen Headless-Content-Management-Systemen. Ob Anwender-orientierte Lösungen wie Publii jedoch für den Durchbruch im Mainstream reichen, bleibt dahingestellt. Denn möglicherweise schlägt das Pendel schon vorher wieder zur dynamischen Seite zurück.

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Zuletzt aktualisert: 03.07.2018