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Open Source CMS im Überblick

Autor: Sebastian Schürmanns

Open Source CMS wie WordPress, Typo3, Drupal und Joomla kennt jeder. Weniger bekannt sind dagegen die vielen jüngeren Content Management Systeme (CMS) aus dem Open Source-Bereich. Die jungen Wilden könnten in Zukunft jedoch einen Generationswechsel herbeiführen, denn sie setzen auf neue Technologien und schleppen keine Altlasten mit sich herum.

Der Markt der Open Source CMS ist in Bewegung Foto von Chris Ried auf Unsplash

Zeit also, einen Blick über den Tellerrand zu werfen und bei der nächsten CMS-Auswahl neben den etablierten Systemen auch die Newcomer mit einzubeziehen.

Etablierte Open Source CMS

Die etablierten Systeme können natürlich mit einigen Argumenten Punkten: Sie haben ihr Beständigkeit bewiesen, verfügen oft über eine große oder zumindest treue Community und können auf viele Erfahrungen mit unterschiedlichen Kunden-Anforderungen zurückblicken.

CMS Sprache Komplexität Review
Contao PHP Enterprise, Mittel
Contenido PHP Enterprise, Mittel
Django-CMS Python Enterprise, Mittel Django Review
Drupal PHP Enterprise Drupal Review
ezPublish PHP Enterprise
Hippo/Bloomreach Java Enterprise
Joomla PHP Mittel Joomla Review
Liferay Java Enterprise
Magnolia Java Enterprise
Neos PHP Enterprise, mittel
Open CMS Java Enterprise
Papaya PHP mittel
Plone Python Enterprise Plone Review
ProcessWire PHP mittel ProcessWire Review
Redaxo PHP mittel
Scientific CMS Java Enterprise, mittel
Typo3 PHP Enterprise Typo3 Review
Umbraco ASP.NET Enterprise
WordPress PHP Mittel, Blogs WordPress Review

Gute Übersichten und Reviews zu den etablierten Systemen findet man im Upload-Magazin oder auf CMS-Garden.

Bei einigen etablierten Content Management Systemen sollte man allerdings auch mögliche Nachteilen prüfen: Gerade im PHP-Bereich kämpfen viele CMS mit einer veralteten Code-Basis, zahlreiche Systeme (zuletzt Drupal) sorgen mit großen Sicherheitslücken immer wieder für Schlagzeilen, nicht selten gibt es einen Feature-Overload und hin und wieder lässt die Usability etwas zu Wünschen übrig. Das gilt längst nicht für alle Systeme, Django-CMS, ProcessWire und Redaxo wirken beispielsweise auch heute noch sehr modern und vorbildlich, auch WordPress ist in dieser Hinsicht nicht das schlechteste System. Dennoch sollte man bei der Wahl eines etablierten CMS etwas genauer auf solche Aspekte achten.

Junge Open Source CMS

Wer sein Bild vervollständigen und eine gut informierte CMS-Auswahl treffen will, der sollte sich auch mit jüngeren Systemen beschäftigen. Einige Systeme, die in den letzten Jahren für Aufmerksamkeit gesorgt haben, sind in der Liste aufgeführt:

CMS Sprache Komplexität Typ Review
Bludit PHP einfach Flat-File Bludit Review
Bolt PHP mittel traditionell Bolt Review
Cockpit PHP Enterprise, mittel Headless Headless CMS
Directus PHP Enterprise, mittel Headless Directus Review
Gentics Mash Java Enterprise, mittel Headless Headless CMS
Ghost CMS Node Blogs, einfach traditionell Ghost Review
Grav PHP einfach Flat-File Grav Review
OctoberCMS PHP mittel traditionell October Review
PageKit PHP mittel, einfach traditionell PageKit Review
Publii PHP einfach Desktop-CMS Publii Review
Squidex ASP.NET Enterprise, mittel Headless Headless CMS
Sulu PHP Enterprise, mittel traditionell Sulu Review
Superdesk Python Enterprise, mittel Headless Headless CMS
Wagtail Python Enterprise, mittel traditionell Wagtail Review

Spannend an den jungen Systemen sind nicht nur ihre schlanken Strukturen und ihre oft gute Usability, sondern vor allem auch die technischen Ansätze, die sie verfolgen. Da gibt es zum Beispiel die Open Source CMS Grav und Bludit, die als Vertreter der Flat-File CMS komplett auf eine herkömmliche Datenbank verzichten. Auch das CMS Sulu verzichtet weitgehend auf relationale Datenbanken und ermöglicht den Autoren stattdessen mit dem Ablagesystem PHPCR einen enorm flexiblen Umgang mit Inhalten. Directus, Squidex, Cockpit und Superdesk gehören dagegen zur Familie der sehr angesagten Headless CMS, die mit ihrer API-Architektur ganz neue Einsatz-Szenarien ermöglichen. Auch das sehr junge Desktop-CMS Publii repräsentiert einen spannenden Trend, der seit Jahren anhält: Weg von der dynamischen Webseite und hin zu extrem perfomanten und völlig einbruchssicheren Static Websites.

All diese Content Management Systeme haben eines gemeinsam: Sie sind Open Source und können kostenlos verwendet werden. Aber was genau bedeutet eigentlich Open Source und welche Vor- und Nachteile haben Open Source CMS?

Open Source verstehen

Open Source Software ist zwar sehr populär. Allerdings herrscht oft Unsicherheit, was Open Source eigentlich bedeutet und wie man Open Source Software verwenden darf. Im Detail können diese Fragen recht komplex werden, weshalb die folgende Einführung auch keine Rechtsberatung sein soll.

Die gute Nachricht für Anwender: Für sie spielen die Detail-Fragen eine eher untergeordnete Rolle, denn man kann ein Open Source CMS erst einmal frei nutzen und damit jede beliebige Webseite betreiben: Eine private Webseite, eine kommerzielle Webseite oder einen Shop. Für Entwickler, Web-Designer oder Dienstleister, die mit Open Source Systemen arbeiten, sie erweitern und die Erweiterungen möglicherweise auch weitergeben oder verkaufen, spielen die Details jedoch eine größere Rolle.

Nach dem landläufigen Verständnis wird bei einer Open Source Software der Quellcode offen gelegt. Durch die Offenlegung kann jeder den Quellcode lesen und zur Verbesserung der Software beitragen. Das allein macht jedoch noch keine Open Source Software aus. Denn man findet hin und wieder auch offen gelegten Quellcode von kommerzieller Software auf GitHub. Allerdings darf die Software dann nur gelesen und ggf. verbessert, nicht jedoch produktiv verwendet werden.

Entscheidend für Open Source ist also die Frage, wie die Software genutzt und auch weiterverbreitet werden darf. Und diese Frage wird über Lizenzen geregelt. Dabei unterscheidet man grob zwischen zwei Lizenz-Typen:

Doch warum werden dann zum Beispiel für WordPress (GPL 2) Plugins und Themes verkauft? Die Antwort findet man in dem bekannten Satz: "Free as speech, not free as a beer". Sprich: Laut den FAQs von GPL 2 ist es durchaus möglich, eine GPL-Software zu integrieren, zu modifizieren und zu verkaufen. Aber eben nur dann, wenn der Quellcode der neuen Software wieder mit GPL lizensiert ist und entsprechend offen und frei verwendbar bleibt.

Bei der Weitergabe und dem Verkauf ist jedoch Vorsicht geboten, denn die Erlaubnis gilt nur für den Quellcode der Software, nicht jedoch für eine geschützte Software-Marke. Für die Marke "WordPress" gibt es beispielsweise von der WordPress Foundation sehr klare Nutzungsbedingungen. Auch bei Inhalten, Bildern oder Designs muss man aufpassen: Häufig gibt es gesplittete Lizenzen und unterschiedliche Auffassungen von Theme-Anbietern und den Machern eines Open-Source-Projekts. Im Zweifelsfall hilft auch hier nur eine professionelle Rechtsberatung.

Open Source CMS: Das Pro und Contra

In der Vergangenheit gab es immer wieder mal Vorbehalte gegen die Nutzung von Open Source Software, doch die Argumente kann man so gut wie immer entkräften.

Es stimmt beispielsweise, dass Open Source Systeme eingehen, wenn sich keine dauerhaft aktive Community bildet. Allerdings verschwinden kommerzielle Systeme bei Misserfolg oder bei Übernahmen genauso vom Markt. Auch haben Code-Qualität, die Sicherheit und viele andere Aspekte nichts damit zu tun, ob ein Projekt Open Source ist oder nicht: Auf beiden Seiten gibt es positive und negative Beispiele.

Auch das Argument, Support, Garantien und Rechtssicherheiten seien bei Open Source Systemen nicht ausreichend gesichert, stimmen nur bedingt: Faktisch wird der Support ohnehin hauptsächlich von den ausführenden Dienstleistern und weniger von dem CMS-Anbieter geleistet. Und Enterprise-Systeme wie Typo3 garantieren sogar mit der LTS-Variante einen dreijährigen Support. Allerdings können interne Richtlinien und diverse rechtliche Konstellationen in einem Unternehmen natürlich dennoch gegen den Einsatz eines Open Source CMS und für den Einsatz eines proprietären CMS sprechen.

Bei einem CMS-Vergleich sollten Kriterien wie "Open Source" oder "proprietär" jedoch ohnehin nur eine untergeordnete Rolle spielen. Entscheidend ist vielmehr, wie gut das CMS am Ende den jeweiligen Anforderungen entspricht. Und hervorragende Lösungen gibt es natürlich auf beiden Seiten.

Außerdem bekommt man auch mit einem Open Source CMS seine Webseite nur selten zum Null-Tarif. Schließlich muss das CMS installiert, konfiguriert und regelmäßig gewartet werden, es muss ein Design entworfen und implementiert werden, möglicherweise müssen Features für spezielle Anforderungen entwickelt werden, und nicht zuletzt müssen die Inhalte irgendwie entstehen. All das kostet natürlich Geld, Zeit und andere Ressourcen, die man bei der Planung einer Webseite berücksichtigen muss.

Kurz-Reviews

Wer die Vor- und Nachteile von Open Source Software abgewägt hat und für Lizenz-Fragen etwas sensibilisiert ist, kann sich auf die Suche nach einem passenden System machen. Die folgenden acht Systeme gehören dabei zu den aufstrebenden Content Management Systemen der neueren Generation, wobei das Entstehungs-Alter immer noch recht stark variiert und noch nicht alle Systeme eine gesicherte Zukunft haben dürften.

Pagekit

Pagekit ist im September 2015 als Open Source CMS unter MIT-Lizenz veröffentlicht worden und hat bis Januar 2018 gut 4.500 Stars und über 500 Forks auf GitHub eingesammelt. Nach einer ersten Welle der Sympathie haben sich die Release-Zyklen des CMS ab 2017 allerdings deutlich verlangsamt. Fixes und Code-Merges werden immer noch gemacht, allerdings muss sich erst zeigen, ob das CMS nach dem Hype auch langfristig eine Zukunft hat. Hinter Pagekit steht das Hamburger Theme-Studio YooTheme.

Pagekit baut auf dem PHP-Framework Symphony auf und nutzt für das Frontend das beliebte Framework Vue.js. Dennoch ist es mit etwa 20 MB (entpackt) vergleichsweise leichtgewichtig. Wie die meisten CMS lässt sich auch Pagekit über einen Installer sehr einfach einrichten, glücklicherweise kann man dabei neben einer MySQL-Datenbank auch eine NoSQL-Installation wählen und damit auf eine Datenbank komplett verzichten.

Das Dashboard von Pagekit

Das Dashboard folgt einem aktuellen Trend und lässt sich über Widgets zu einem gewissen Grad personalisieren. Etwas eigenwilliger ist die Aufteilung in der Autorenumgebung: Dort ist der Bereich für statische Seiten komplett von den dynamischen Einträgen (z.B. für Blogs) getrennt. Die beiden Bereiche erreicht man über einen Burger Button. Grund für diese Teilung ist der modulare Ansatz von Pagekit: Dynamische Seiten gehören nicht zur Core-Funktion von Pagekit, sondern können über eine Extension aktiviert und deaktiviert werden. Bei der Installation wird die Extension direkt mitgeliefert und ist per Default aktiviert. Schön ist, dass bei der Extension auch gleich ein Kommentar-System mitgeliefert wird, sodass man nicht auf externe Dienste angewiesen ist.

Autoren können bei Pagekit zwischen einem Markdown-Editor und einem HTML-Editor wählen. Allerdings arbeitet auch der HTML-Editor anders als bei anderen Content Management Systemen nicht mit einem WYSIWYG-Modus, sondern zeichnet die Elemente mit HTML-Tags aus. Für eine Voransicht der Formatierung kann man in beiden Editoren in einen Vorschau-Modus wechseln. Dieses eher ungewöhnliche Konzept dürfte von vielen Autoren eine größere Umstellung erfordern.

Dennoch richtet sich Pagekit mit seiner sehr modernen und fokussierten Oberfläche sehr stark an den täglichen Bedürfnissen von Autoren und Administratoren aus. Das Bild-Management funktioniert ohne jede weitere Konfiguration, außerdem ist das Rollen- und Rechte-Management ein riesiger Plus-Punkt: Man kann für jede Seite bestimmen, ob sie öffentlich oder nur nach einer Authentifizierung erreichbar sein soll. In der Nutzerverwaltung können die Rollen und Rechte dann bis ins Detail ausdefiniert werden.

Für die Theme-Erstellung arbeiten die Entwickler bei Pagekit mit reinem PHP (kein Twig), die Admin-Oberfläche kann mit Vue.js erweitert werden.

Insgesamt spürt man bei Pagekit den Einfluss des Theme-Studios im positiven Sinn: Das CMS deckt in der Standard-Version die allgemeinen Anforderungen an Webseiten vermutlich zu 90% bereits ab und bleibt durch den Verzicht auf Sonderfälle sehr schlank und übersichtlich. Für den Open Source Markt wäre es daher eine Bereicherung, wenn sich Pagekit auch langfristig als Alternative etabliert.

Grav CMS

Grav ist ein Open Source CMS aus der Kategorie der Flat File-CMS. Flat-File-Systeme verzichten komplett auf eine Datenbank und speichern die Inhalte stattdessen (meist) in Markdown-Files ab. Ein großer Vorteil dieser Systeme ist ihre Leichtgewichtigkeit und Schnelligkeit, außerdem sind Flat-File-CMS vergleichsweise einfach und komfortabel in der Entwicklung.

Ähnlich wie Pagekit steht auch hinter Grav ein Theme-Anbieter: Initiert wurde das CMS von Andy Miller, dem Gründer des amerikanischen Theme-Anbieters RocketTheme. Trotz dieses Hintergrundes steht Grav genauso wie Pageikit unter MIT-Lizenz und ist damit völlig frei nutzbar.

Grav punktet vor allem in Sachen Flexibilität. Das System ist für Entwickler beinahe grenzenlos erweiterbar und bis ins Detail konfigurierbar. Außerdem bedient Grav mit über 40 fertigen Skeletons (fertigen Installationen für bestimmte Zwecke), über 80 Themes und über 200 Plugins zahlreiche Anwendungsszenarien out of the box.

Auch das Flat-File-CMS Grav ist Open Source

Die Community von Grav ist groß und bis heute sehr aktiv, was über 8000 Sterne auf GitHub bestätigen. Da sich der Markt für Flat-File-CMS in den letzten Jahren stabilisiert hat und viele Systeme eine hohe Kontinuität aufweisen, dürfte Grav eine sichere Entscheidung für die Zukunft sein.

Grav eignet sich jedoch nicht unbedingt für jeden Anwendungsfall und für jede Nutzergruppe. Denn zum einen wirkt die Nutzeroberfläche durch die enorme Flexibilität und die vielen Einstellungsmöglichkeiten etwas überladen, was gerade ein nicht-technisches Publikum überfordern kann. Zum anderen gibt es Szenarien, in denen man auch als Entwickler nur schwer einen sinnvollen Workflow für die Autoren findet. Wer mit Grav nicht zurecht kommt, dem stehen im Flat-File-Bereich jedoch noch zahlreiche andere Alternativen zur Verfügung, open source und proprietär.

Bludit

Wem Grav zu umständlich ist, der kann alternativ das Flat File System Bludit ausprobieren. Bludit ist noch recht unbekannt, eignet sich durch seine einfache Anwender-Oberfläche und seine schlanke Technologie jedoch bestens für kleine Standard-Webseiten.

Ein CMS für einfache Webseiten: Bludit

Einfach heißt im Fall von Bludit jedoch nicht beschränkt, sondern im Gegenteil recht flexibel: Bludit unterstützt natürlich Themes und Plugins, verfügt daneben aber auch noch über eine recht ausgereifte API und speichert sämtliche Meta-Angaben im API-freundlichen JSON-Format. Einfache Single Page Webseiten mit modernen JavaScript-Frameworks sollten mit Bludit daher durchaus möglich sein. Aber auch One-Pager mit unterschiedlichen Inhalts-Blöcken sind bei Bludit genauso möglich wie bei Grav, nur dass es eben wesentlich einfacher gehalten ist und die Sortierung über schlichte Nummerierungen erfolgt. Simpel aber effektiv. Hinzu kommt ein gelungenes Bild-Management sowie die Möglichkeit, klassische Editoren wie TinyMCE anstelle des Markdown-Editors zu nutzen. Was Bludit nicht hat, ist das ausgefeilte Formular-System von Statamic, Kirby oder Grav, mit dem sich die Anwenderoberfläche exakt an die Bedürfnisse der Seite anpassen lässt. Das dürfte bei einfachen Webseiten jedoch auch nicht nötig sein.

Anders als bei Grav steckt hinter Bludit kein größeres Unternehmen, sondern ein einzelner Entwickler, der in früheren Jahren schon das kleine CMS-Projekt Nibbleblog verfolgt hat.

Sulu

Sulu wurde im Jahr 2014 von der Web-Agentur MASSIVE ART als Open Source CMS (MIT und GPL 3) veröffentlicht und erfreut sich seitdem wachsender Beliebtheit. Das Konzept von Sulu ist nicht nur für Entwickler, sondern auch für Autoren spannend.

Bei den verbreiteten Open Source Systemen arbeiten die Autor mit einer relativ starren Autoren-Oberfläche. Im Zentrum steht ein WISYWIG-Editor, den die Autoren mit Standard-Inhalten befüllt. Wenn spezielle Inhalte wie Slideshows, Sidebars oder Teaser zum Einsatz kommen sollen, muss der Autor in der Regel in eine andere Maske wechseln, zum Beispiel in ein Plugin, ein Widget oder in ein Konfigurations-Formular.

Sulu funktioniert anders: Der Autor arbeitet nicht mit einem zentralen Formular, sondern stellt die Inhalte mit einzelnen kleinen Content-Blöcken zusammen. Ein Content-Block kann aus einem normalen Inhalt, einer Slideshow, einem Teaser oder jedem anderen Inhaltstyp bestehen, der vorher vom Entwickler definiert wurde. Und ein einzelner Content-Block lässt sich auf der Seite beliebig verschieben. Der Redaktionsprozess wird dadurch zwar etwas zerstückelt. Gerade bei besonders flexibel konzipierten Webseiten ist der Autor mit Sulu jedoch auch wesentlich freier, als mit anderen Systemen.

Neue-Enterprise Alternative: Das Open Source CMS Sulu

Getragen wird dieses sehr flexible Content-Modell von einer spannenden und ungewöhnlichen Technologie. Denn Sulu speichert Inhalte nur zu einem geringen Teil in einer relationalen Datenbank. Stattdessen wird im Kern das Content-Repositories PHPCR für die Ablage von Inhalten verwendet. Dadurch wird die flexible Seitengestaltung ermöglicht. Sulu verfolgt damit im PHP-Bereich eine ähnliche Strategie, wie das sehr erfolgreiche Enterprise CMS AEM von Adobe im Java-Bereich.

Auch sonst ist Sulu technisch up to date: Es basiert auf dem beliebten PHP-Framework Symfony und arbeitet mit der Template-Sprache Twig. Die Formulare für die Content-Erstellung werden über XML definiert. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Installation: Anstelle eines Wizzards wird mit der Konsole und Tools wie Composer gearbeitet. Entsprechend richtet sich Sulu eher an Entwickler und dürfte vor allem im Enterprise-Umfeld künftig eine Alternative zu Typo3, Drupal und Co bieten.

ProcessWire

Das Open Source CMS ProcessWire (Mozillla Public License 2.0) ist kein Neuling, sondern bereits seit 2007 auf dem Markt. Anders als viele ältere Open Source Systeme ist ProcessWire jedoch schlank geblieben und schlägt sich aufgrund des modernen und strengen Entwicklungs-Ansatzes kaum mit Alt-Lasten herum.

Die Besonderheit: ProcessWire arbeitet im Kern mit einer API und kann daher als sogenanntes Decoupled CMS gelten. Das heißt, der Kern des CMS ist unabhängig von der Darstellung der Webseite und im Wesentlichen nur über eine Daten-API verbunden. Diese Architektur gewinnt gerade heute wieder enorm an Bedeutung, da die eigentliche Webseiten-Generierung im modernen Frontend häufig mit Frameworks wie Angular, React oder Vue erstellt werden. Diese Frameworks übernehmen das Templating direkt im Browser und integrieren Inhalte über eine Daten- oder Content-API.

Dashboard des Open Source CMS ProcessWire

Trotz dieses modernen Ansatzes hat ProcessWire nie die Popularität anderer Open Source CMS wie WordPress, Drupal oder Typo3 erlangt. Ein Grund mag darin liegen, dass sich ProcessWire ausschließlich an Entwickler richtet und dabei einen recht hohen Code-Standard voraussetzt. Zudem gibt es keinerlei Themes für ProcessWire und auch keine Möglichkeit, über die Admin-Oberfäche ein Theme zu wechseln. Stattdessen werden Themes für jedes Projekt individuell von einem Entwickler erstellt. Das dürfte viele CMS-Einsteiger und Web-Designer abschrecken oder zumindest vor größere Hürden stellen. Dass ProcessWire es nicht jedem Recht machen will, hat jedoch vermutlich auch zu seiner nach wie vor sehr schlanken und modernen Code-Struktur beigetragen.

Directus CMS

Während ProcessWire als ein Decoupled CMS durchgehen kann, gehört Directus (GPL 3.0) zur Familie der aktuell sehr angesagten Headless-CMS. Kurz gesagt konzentrieren sich Headless CMS nur auf die Verwaltung von Inhalten und verzichten komplett auf die Generierung von Webseiten. Stattdessen bieten Headless-Systeme wie Directus eine API an, über die ein Entwickler die gespeicherten Inhalte abrufen und weiterverarbeiten kann.

Dieser Ansatz passt zu vielen zeitgemäßen Trends: Eine API kann grundsätzlich mit jeder Programmier-Sprache angesprochen werden, man kann also verschiedene Komponenten mit völlig unterschiedlichen Programmier-Sprachen miteinander kombinieren. Genauso frei ist man in der Entscheidung, wie die Inhalte weiter verwendet werden: Man kann die Inhalte für verschiedene Kanäle wie Mobile-Apps, gewöhnliche Webseiten oder auch externe Portale aufbereiten. Man kann aus den Inhalten auch statische Webseiten mit Hilfe der beliebten Static Site Generatoren bauen. Oder man kann dynamische Webseiten mit modernen Frontend-Frameworks wie Angular, Vue oder React entwickeln.

Autoreninterface des Headless CMS Directus

Damit dürfte allerdings auch klar sein, dass sich Headless-CMS an Entwickler richten und weniger an den Endnutzer. Zwar bietet auch Directus für Autoren eine Autorenoberfläche an. Die Autorenoberfläche kann sogar von Nicht-Entwicklern über das Admin-Interface recht leicht per Drag & Drop erstellt und vollkommen individuell an die Struktur der Inhalte angepasst werden. Anders als bei WordPress und Co. gibt es aber keine Webseiten-Generierung und damit natürlich auch keine Themes, sodass Nutzer ohne tiefe Entwickler-Kenntnisse nicht in der Lage sind, mit einem Headless-CMS eine eigene Webseite zu erstellen. Für Entwickler dürften Headless CMS in den kommenden Jahren jedoch noch stark an Bedeutung gewinnen.

Directus wird von den New Yorker Ranger Studios entwickelt und ist unter GPL 3.0 lizensiert. Neben Directus gibt es auch noch andere Open-Source-Alternativen im jungen Headless-Markt, zum Beispiel Cockpit aus Hamburg.

OctoberCMS

October CMS ist 2013 erschienen und basiert auf dem beliebten PHP-Framework Laravel. Das System wird von Alexey Bobkov und Samuel Georges entwickelt, zwei Entwicklern aus Canada und Australien. Im Marketplace von October gibt es zahlreiche Themes und Plugins, sodass man October ähnlich wie WordPress recht flexible anpassen und erweitern kann.

October CMS ist unter MIT lizensiert und damit ein Open Source System. Allerdings gilt das nur für das Core-CMS. Die Erweiterungen, Themes und Plugins im Marketplace werden dagegen mit speziellen Lizenzen vertrieben. Die Lizenzen richten sich nach der Anzahl der Web-Auftritte: Für einzelne Auftritte gibt es eine einfache Lizenz, für mehrere Auftritte nutzt man eine erweiterte Lizenz. Mit dem Lizenz-System richtet sich October vor allem an Agenturen und Dienstleistern und weniger an den normalen Endnutzer.

Die Benutzeroberfläche von OctoberCMS

Die Nutzeroberfläche von October ist gut gestaltet und sehr aufgeräumt. In der Standard-Version arbeiten Autoren mit einem Markdown-Editor und einem Split-Screen. Es kann jedoch auch ein üblicher WYSIWYG-HTML-Editor als Plugin installiert werden. Ein gelungenes Bild-Management und eine intuitive Konfiguration für Rollen und Rechte runden das Bild ab.

Entwickler dürften sich über die Kombination aus YAML, Twig und PHP freuen. Ähnlich wie bei anderen moderne Content-Management-Systeme kann der Entwickler über eine einfache YAML-Konfiguration die Autorenoberfläche an spezielle Bedürfnisse anpassen, was das Leben von Autoren und Entwicklern gleichermaßen erleichtert. Eine weitere Besonderheit von October ist ein eingebauter Code-Editor, mit dem sich Änderungen am Theme sehr bequem auch online erledigen lassen.

Wie viele andere Open Source Systeme der neueren Generation besetzt auch OctoberCMS eher eine Nische. Und auch dieses System richtet sich eher an Profis wie Dienstleister und Agenturen.

Bolt CMS

Auch Bolt CMS gehört zu den neueren Content Management Systemen, die in einem Agentur-Umfeld entstanden sind und sich vornehmlich an andere Dienstleiter wenden. Bolt wurde von dem niederländischen Entwickler Bob den Otter entwickelt und steht seit Oktober 2012 unter MIT-Lizenz zur freien Verfügung. Ursprünglich wurde das System für Kunden der Web-Agentur Two-Kings eingesetzt.

Bolt kann zwar auch von nicht-technischen Nutzern recht einfach installiert werden. Zudem gibt es einen Markt für Themes und Extensions mit einer relativ üppigen Auswahl. Allerdings wird die Anpassung eines Themes den normalen Nutzer überfordern.

Entwickler dürften sich dagegen über die hohe Flexibilität und über die modernen Entwicklungs-Ansätze freuen. Themes werden mit Twig erstellt, die Konfiguration erfolgt über YAML, als technische Basis wird das Micro-Framework Silex mit diversen Symfony-Komponenten genutzt. Auch bei der Anpassung der Datenbank bringt Bolt ein nettes Feature mit: Nachdem der Entwickler neue Inhalts-Typen per YAML konfiguriert hat, kann er die passenden Datenbank-Strukturen einfach per Button erzeugen.

Die Autorenoberfläche ist dagegen Geschmacks-Sache: Zwar bietet Bolt nette Standard-Features wie zum Beispiel ein Mapping-Tool, mit dessen Hilfe Adressen auf einer Karte dargestellt werden können. Auch das Content-Konzept ist mit statischen Pages, dynamischen Entries und kleinen Content-Blocks sehr flexibel. Allerdings wirkt das Design und die Usability der Oberfläche im Vergleich zu anderen jungen Systemen etwas grobschlächtiger und konservativer. Dennoch dürfte das CMS vor allem wegen seiner hohen Flexibilität bei vielen Anwendern punkten.

Publii CMS

Das CMS Publii (GPL 3.0) ist erst im Jahr 2017 erschienen und muss seine Beständigkeit noch unter Beweis stellen. Trotzdem soll das CMS hier kurz vorgestellt werden, da Publii eine weitere sehr spannende Entwicklungs-Linie im jungen Tech-Bereich repräsentiert.

Die große Überraschung: Publii ist kein online-basiertes Content-Management-System, sondern eine Anwendung für den Desktop. Das heißt, man installiert Publii auf seinem lokalen Rechner und erstellt dort sowohl die Webseite als auch dessen Inhalte. Mit dem Publish-Button werden die Inhalte dann in das Web transportiert.

Die Oberfläche des CMS Publii

Dieser Ansatz ist im CMS-Bereich zwar ungewöhnlich, jedoch alles andere als abwegig. Denn gerade im jungen Tech- und Frontend-Bereich werden klassische CMS so gut wie garnicht mehr für Webseiten eingesetzt. Stattdessen werden die Webseiten mit sogenannten Statischen Site Generatoren auf dem Rechner erzeugt und anschließend im Web publiziert. Dabei kommen Tools wie die Konsole und GitHub zum Einsatz. Für Entwickler gehören diese Tools zwar zum täglichen Werkzeug. Für den technisch weniger versierten Nutzer stellen solche Tools jedoch eine sehr große Hürde dar.

Publii richtet sich dagegen ganz klar an den normalen Anwender und bringt eine sehr angenehmen Nutzeroberfläche mit, die sich kaum von einem modernen web-basierten CMS unterscheidet. Intern arbeitet Publii jedoch genau wie die statischen Site Generatoren und produziert einen statischen Web-Auftritt, der extrem performant und gleichzeitig absolut sicher ist. Denn HTML-Seiten ohne serverseitigem Code, ohne eine Datenbank-Anbindung und ohne einen Login-Bereich bieten für Hacker keinerlei Angriffsmöglichkeiten.

Ob Publii eine Zukunft hat oder nicht, muss sich erst noch zeigen. Das Konzept zeigt allerdings, in welche Richtung es zukünftig im CMS-Bereich wieder gehen könnte: Mehr Sicherheit, mehr Performance und weg von den überkomplexen Alles-Könnern. Statische CMS hat es übrigens auch früher schon gegeben. In dieser Hinsicht knüpft die junge Generation also wieder an ältere Entwicklungen an.

Weitere Systeme

Natürlich gibt es noch ein ganzes Meer an anderen Open Source Lösungen, zumal die oben vorgestellten CMS (fast) nur aus der PHP-Welt stammen. Das bekannte Blog-System Ghost ist ein gutes Beispiel aus der Node-Welt, Magnolia ist ein teilweise Open Source verfügbarer Kandidat aus der Java-Welt, und natürlich gibt es auch noch zahlreiche moderne Lösungen für Phyton und andere Programmier-Sprachen. Man sieht also, dass entgegen des landläufigen Eindrucks gerade sehr viel auf dem CMS Markt passiert, alles derzeit noch im Schatten der Dominanz allseits bekannter Systeme.

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Zuletzt aktualisert: 18.09.2018