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Enterprise CMS für Corporate Websites

Autor: Sebastian Schürmanns

Große Unternehmen stellen häufig besonders komplexe Anforderungen an ihre Corporate Website und damit auch an ein Content Management System (CMS). Derart komplexe Content Management Systeme werden häufig als Enterprise CMS (ECM oder ECMS) oder als Enterprise Web Content Management System (WCM oder WCMS) bezeichnet. Drupal und Typo3 werden dem Markt der Enterprise CMS zugerechnet, die meisten Platzhirsche in diesem Bereich sind der breiten Masse jedoch weniger bekannt: Adobe AEM, Bloomreach, CoreMedia oder FirstSpirit, um nur einige der großen Namen zu nennen.

Enterprise Web Content Management Systeme

Doch was genau unterscheidet eigentlich ein Enterprise CMS von einem normalen CMS und welche Enterprise CMS gibt es auf dem Markt?

Grundbegriffe Enterprise CMS

Der Begriff Enterprise CMS ist eher schwammig und die große Zahl der Abkürzungen sorgt zusätzlich für Verwirrung: ECMS, ECM, WCMS, WEM, DXP, DMS oder DAM sind nur einige Akronyme, die man in diesem Bereich häufig antrifft. Nach der offiziellen Definition fällt unter dem Begriff Enterprise Content Management System (ECMS) ein breites Spektrum an Software zur Erfassung, Verwaltung, Speicherung, Bewahrung und Bereitstellung von Content und Dokumenten. Damit gehören auch Dokumenten-Management-Systeme (DM) oder Archiv-Systeme zu den ECM oder ECMS. Content Management Systeme für Webseiten werden dagegen als WCM oder WCMS (Web Content Management System) bezeichnet und bilden eine Untergruppe der Enterprise CMS.

Die meisten Anbieter nutzen in ihrem Eigen-Marketing dennoch die eingängigere Bezeichnung Enterprise CMS und versuchen sich damit in Abgrenzung zu weniger komplexen Systemen für den lukrativen Markt der großen Unternehmen und Konzerne zu empfehlen. Und diese Systeme können tatsächlich deutlich mehr als nur Webseiten publizieren.

Anforderungen an ein Enterprise CMS

Zu den Standard-Features durchschnittlicher Content Management Systeme gehören natürlich Themes und Templates, eine Erweiterbarkeit durch Plugins und Extensions, eine Media-Library und vieles mehr. Auf dem Enterprise Level kommen jedoch noch deutlich ausgereiftere Features hinzu, bei denen die meisten CMS für den Mittelstand zumindest in der Summe passen müssen:

Die großen Player im Markt gehen jedoch noch weit über solche Features hinaus und bieten ihrer Zielgruppe viele ausgereifte Zusatz-Funktionen an.

WCM, DXP und Headless CMS

Konzerne und große Unternehmen stehen vor der Herausforderung, die Customer Journey und den Customer Livecycle auch über verschiedene Software-Typen und Datenbanken hinweg einheitlich abzubilden: Es gibt die unterschiedlichsten Touchpoints, mit denen Kunden in Kontakt mit den Produkten oder dem Unternehmen treten. Es gibt Sales-Abteilungen, die in aller Regel mit einer Customer-Relations Software (CRM) arbeiten. Es gibt eine separate Software für die Produkt-Verwaltung (Product Information Management PIM), es gibt spezielle Marketing-Software für Analytics und Targeting und natürlich gibt es gleich mehrere Webseiten, Shop-Systeme und diverse Mobile Apps.

Auf diese Herausforderungen kann man mit unterschiedlichen Strategien reagieren: Viele große Markt-Player bieten inwzischen sogenannte Digital Experience Plattformen an (DXP). Als DXP bezeichnet Gartner "ein integriertes Software-Framework, mit dem ein breites Publikum einen konsistenten, sicheren und personalisierten Zugang zu Informationen und Applikationen über eine Vielzahl digitaler Kanäle hinweg erhält". Die Plattformen kombinieren verschiedene Software Tools in einer Suite, um so die Customer Journey möglichst bruchfrei abbilden zu können. Ein Beispiel für eine DXP ist die Adobe Marketing-Cloud, die neben dem WCM noch eine Analytics-Software und eine Targeting-Software beinhaltet und damit vor allem die Bedürfnisse von Marketing-Abteilungen abdeckt. Andere DXP kommen eher aus dem E-Commerce oder dem Sales-Bereich.

Eine andere Strategie im Umgang mit komplexen Anforderungen wird als "Best of Breed" bezeichnet: Anstatt eine einheitliche Suite anzubieten, wird das WCM so flexibel und offen entwickelt, dass es möglichst leicht mit anderen Systemen kombiniert werden kann. Ein Unternehmen kann so die beste Lösung aus jedem Software-Bereich frei wählen und ist nicht an einen Anbeiter gebunden. CoreMedia ist mit seinen Connectoren für große Systeme wie Hybris, WebSphere und Salesforce ein Beispiel für diese Strategie.

Ein neuer oder vielmehr wieder entdeckter Trend ist die komplette Trennung der Daten- und Content-Speicherung von der Administrations-Oberfläche und der Content-Ausgabe. Die Inhalte werden dabei neutral über eine API ausgeliefert, sodass in der Theorie jede beliebige Administrations-Oberfläche und jeder beliebige Touchpoint (Corporate Website, Shop, App) auf die Inhalte zugreifen kann. Und natürlich können die Administrations-Oberflächen und Touchpoints ganz unterschiedliche Datenquellen (Content, CRM-Daten etc.) anzapfen und beliebig kombinieren. Eine Idee, die im engen Zusammenhang mit dem Konzept der Microservices steht.

Gartner hat im Jahr 2017 in einem viel diskutierten Artikel den klassischen ECM-Markt für tot erklärt und seine Markt-Studie zu ECM unter den Begriff der "Content Services" weitergeführt. Die Begriffe sind zwar nicht identisch, aber im WCM-Bereich würden die neuen Headless CMS für diese Strategie stehen. Alternativ werden Headless CMS auch als Content as a Service (CaaS) in Anlehnung an Software as a Service (SaaS) bezeichnet. Inzwischen bieten allerdings fast alle Enterprise Web Content Management Systeme auch eine Headless-Variante an, zumal viele große CM-Systeme ohnehin schon entkoppelt waren und auf einer API-Architektur basierten. Neuerdings bürgert sich der Begriff der Hybrid-Systeme ein, wenn Content Management Systeme sowohl eine traditionelle Architektur, als auch eine Headless-Installation ermöglichen.

Übersicht CMS für Unternehmen

Im Gegensatz zur Masse der leichtgewichtigeren CMS für den Mittelstand wird der Markt der Enterprise CMS bzw. Enterprise WCM intensiv beobachtet und vergleichsweise transparent analysiert. Sehr bekannt sind die jährlichen Studien von Gartner zu den Web Content Management Systemen (Gartner Magic Quadrant for WCM) und zu den Digital Experience Plattformen (Gartner Magic Quadrant for DXP). Es gibt jedoch noch viele weitere Informations-Angebote, die in den Recherche-Quellen für CMS zusammengetragen sind. Die folgende Tabelle soll den Einstieg in die Recherche etwas erleichtern:

name Typ Lizenz Sprache Review
Adobe AEM DXP Proprietär Java Review Adobe AEM
BloomReach DXP Open Source Java /
Contao WCM Open Source PHP /
Contenido WCM Open Source PHP /
CoreMedia WCM Proprietär Java Review CoreMedia
CrownPeak DXP Proprietär Agnostic / SaaS /
dotCMS WCM Proprietär Java /
Drupal WCM Open Source PHP Review Drupal
Episerver DXP Proprietär ASP.NET /
evoq Content WCM Open Source ASP.NET /
ezPublish WCM Open Source PHP /
FirstSpirit WCM Proprietär Java Review FirstSpirit
Imperia CMS WCM Proprietär Perl /
Kentico DXP Proprietär ASP.NET /
Liferay DXP Open Source Java /
Magnolia WCM Open Source Java /
OpenCMS WCM Open Source Java /
Papaya WCM Open Source PHP /
Pirobase WCM Proprietär Java /
Plone CMS WCM Open Source Python Review Plone
Sitecore DXP Proprietär ASP.NET /
Sitefinity DXP Proprietär ASP.NET /
Six CMS WCM Proprietär Java /
Typo3 WCM Open Source PHP Review Typo3
Umbraco WCM Open Source ASP.NET /

Die Zusammenstellung der Liste ist natürlich weder vollständig noch objektiv. Außerdem ist die Mischung der aufgeführten Enterprise CMS ausgesprochen bunt, angefangen von weniger komplexen CMS wie Contao oder Umbraco, die eher dem Mittelstand als dem Enterprise-Bereich zugerechnet werden, bis hin zu High End Plattformen und Suiten wie Adobe AEM, CoreMedia, Bloomreach, FirstSpirit & Co. Auch bei den technischen Ansätze ist einiges Vertreten: CrownPeak ist beispielsweise ein SaaS-Anbieter, zahlreiche Systeme transformieren gerade zu hybriden Headless-Anbietern, während die neuen originären Headless Anbieter wie Contentful, Gentics Mash oder Storydesk in dieser Liste bislang überhaupt nicht vertreten sind.

Noch ist nicht absehbar, wie sich der Markt der Enterprise Web Content Management Systeme, der Digital Experience Plattformen (DXP) und der Headless CMS in Zukunft weiterentwickeln wird. Letztlich hängt alles davon ab, wie aufwändig die Umstellung der Software-Architektur für große Unternehmen wird und wie viele Probleme damit gelöst werden können.

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Zuletzt aktualisert: 18.09.2018