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20 Flat File Systeme im Test

Autor: Sebastian Schürmanns

Mit einem Flat File CMS lassen sich schnell und einfach Webseiten bauen. Diese Übersicht stellt die besten CMS ohne Datenbank vor und gibt Empfehlungen, welche Flat File Systeme zur geplanten Website passen.

Flat-File Systeme sind eine Untergruppe der Content Management Systeme und seit einigen Jahren sehr en vogue. Und sie haben unbestreitbar ihre Vorteile:

Natürlich gibt es auch Grenzen: Bei einem groß angelegten Multi-User-Blog mit einer Shop-Erweiterung und diversen Feature-Wünschen würde man sicher nicht auf ein Flat-File CMS zurückgreifen. Umgekehrt ist allerdings auch die gängige Praxis, simple One-Pager, Online-Portfolios oder einfache Webseiten mit WordPress zu realisieren, meist völlig sinnbefreit. Denn gerade für einfache Webseiten sind Flat-File-Systeme wie geschaffen und sollten daher in keinem CMS Vergleich fehlen. Allerdings muss man sich klar machen, dass sich viele Flat-File-CMS eher an Entwickler richten und nur einen begrenzten Kosmos an fertigen Themes, Plugins und Erweiterungen anbieten. Beachten sollte man außerdem, dass die meisten Flat-File CMS für die Content-Erstellung Markdown nutzen.

Flat-File-Systeme: Eine Übersicht

Flat-File-Systeme kommen und gehen, daher sollte man bei der Auswahl eines Flat-File-Systems auf dessen Kontinuität achten. Die folgende Tabelle ist ursprünglich im Jahr 2014 entstanden und wird seitdem regelmäßig aktualisiert. Systeme, die länger nicht mehr aktualisiert oder ganz aufgegeben wurden, sind am Ende dieser Seite separat aufgelistet.

Die drei großen und etablierten Systeme sind ganz klar Statamic, Kirby und Grav, viel Tradition hat auch Pico als besonders leichtgewichtige Variante. Daneben gab es in letzter Zeit wieder erfreulich viel Bewegung. Bludit hat sich als Nachfolgesystem von Nibbleblog einen guten Ruf erarbeitet. Mit Flextype versucht der Entwickler von MonstraCMS derzeit einen ähnlichen Neustart und auch das fast vergessene Automad hat kürzlich eine komplett neue und schicke Version veröffentlicht. Viele kleinere Projekte wie Yellow arbeiten im Stillen kontinuierlich weiter und mit BatFlat und Typemill entstanden 2017 sogar zwei komplett neue Systeme.

Name Start letzte Version Kosten Website Review
Automad 2014 12.2018 free Automad Website ./.
BatFlat 2017 05.2018 0,- / 29$ BatFlat Website ./.
Bludit 03.2015 12.2018 free Bludit Website Bludit Review
CMS Simple_XH 06.2009 12.2017 free CMSimple_XH Website ./.
Daux 01.2016 10.2018 free Daux Website ./.
Flextype 03.2018 11.2018 free Flextype Website ./.
Grav 2014 11.2018 free Grav Website Grav Review
Herbie 2014 10.2018 free Herbie Website ./.
Kirby 2009 07.2018 99€ Kirby Website Kirby Review
MoziloCMS 2007 2018 free Mozilo Website ./.
Phile 2013 10.2018 free Phile Website
Pico 2013 12.2018 free Pico Website ./.
Statamic 2012 12.2018 199$ Statamic Website Statamic Review
Typemill 04.2017 12.2018 free Typemill Website ./.
Typesetter 2009 08.2017 free Typesetter Website ./.
WonderCMS 2012 07.2018 free WonderCMS Website ./.
Yellow 2013 11.2018 free Yellow Website ./.

Wer es noch einfacher sucht, der kann sich die Liste der Tools anschauen, mit denen man statische HTML-Seiten nachträglich editierbar machen kann.

Empfehlungen schnell und kurz

Um euch die Entscheidung ein wenig zu vereinfachen, gebe ich mal ein paar ganz subjektive und persönliche Empfehlungen ab:

Kirby: Der Pionier unter den Flat-File-CMS

Kirby ist im Jahr 2009 entstanden und hat damals neue Maßstäbe für Flat File Systeme gesetzt. Das blieb auch in der weiteren Entwicklung so. Im November 2015 ist Kirby 2 mit einer komplett neuen Code-Basis veröffentlicht worden und auch die im Januar 2019 veröffentlichte Version 3 von Kirby legt die Messlatte für Wettbewerber hoch: Das Dashboard wurde mit Vue.js erneuert und setzt auf einer vollständigen REST-API auf. Die API eignet sich auch für Single-Page-Applications oder Headless-Konzepte und ermöglicht eine Integration von Static Site Generatoren. Trotz der stetigen Weiterentwicklung ist Kirby jedoch immer schlank, elegant und sehr nutzerfreundlich geblieben. Auf CMSstash gibt es eine eigene Review zu Kirby.

Kirby ist ein kommerzielles System und wird von einem Team um den Gründer Bastian Allgeier entwickelt. Ebenso wie das System ist auch der Preis vergleichsweise stabil: Mit 99,- Euro für eine Webseite siedelt sich das Projekt im niedrigen Preissegment an, während Statamic nach seiner Preisumstellung mit Version 2 etwas kostspieliger ist.

Besonders angenehm bei Kirby ist die Installation, die faktisch nur aus dem Herunterladen besteht. Die Seite ist anschließend sofort besuchbar, ohne Konfigurationen oder sonstige Anpassungen. Anders als gewohnt nutzt Kirby für Templates reines PHP und verzichtet auf Twig, was der Performance des Systems allerdings auch gut tut. Etwas eigen ist der Umstand, dass es keinen separaten Theme-Ordner gibt. Stattdessen ist das Theme mit dem System eng verwoben, ein Theme-Wechsel per Knopfdruck ist nicht vorgesehen.

Statamic: Ein Enterprise Flat-File-CMS

Statamic kann als das Enterprise System unter den Flat-File-CMS bezeichnet werden. Es richtet sich mit einem entsprechenden Preis vorwiegend an Freelancer und Agenturen, die Statamic regelmäßig für Kundenauftritte einsetzen. Auf CMSstash gibt es eine Review zu Statamic.

Das Flat-File-System Statamic

Statamic ist nutzerfreundlich, schlank und dennoch enorm feature-mächtig. Das System ist im Jahr 2012 entstanden und war wohl der erste ernstzunehmende Wettbewerber für das kommerzielle System Kirby. Wie Kirby ist auch Statamic sehr beständig, hat allerdings mit der Veröffentlichung von "Statamic 2" Anfang 2016 einen recht weitreichenden Strategie-Wechsel vollzogen. Technisch ist das System vom Micro-Framework Slim auf das deutlich größere PHP-Framework Laravel umgestiegen. Mit über 20 MB kann man Statamic seitdem kaum noch als Lightweight-CMS bezeichnen, allerdings ist auch der Funktionsumfang des Core-Systems massiv gestiegen. Geboten werden unter anderem ein Multi-Language-Support, Drag&Drop-Pages, ein Fieldset-Builder und ein sehr ausgereifter Form-Builder für öffentliche Formulare. Für das erste Quartal 2019 wird die neue Version Statamic 3 erwartet.

Die Neuerungen haben allerdings ihren Preis: Statamic 2 kostet mit der Standard-Lizenz 199 Dollar pro Installation. Statamic überlässt damit Kirby das günstigere Preis-Segment und richtet sich mehr oder weniger ausschließlich an professionelle Dienstleister. Nicht nur preislich, sondern auch vom technischen Konzept bietet sich Statamic als Flat-File-Alternative zu modernen datenbank-basierten Systemen wie CraftCMS an. Vielleicht kein Zufall, denn beide Systeme sind aus dem Umfeld von Expression Engine entstanden.

Das Open Source System Grav

Grav war lange Zeit das einzige Open-Source-CMS im Flat-File-Bereich, das einigermaßen in der Liga von Statamic und Kirby mitspielen konnte. Grav hat zu Beginn (2014) für viel Furore gesorgt und die Entwickler-Gemeinde ist immer noch sehr aktiv (Github-Grav). Alerdings haben sich seitdem eher Details geändert und die Dynamik der Produkt-Entwicklung ist nicht so hoch wie bei Statamic oder Kirby. Initiator von Grav ist der RocketTheme-Gründer Andy Miller. Auf CMSstash gibt es eine ausführliche Review zu Grav.

Das neue Flat-File-CMS Grav

Durch den RocketTheme-Hintergrund bietet Grav eine recht beeindruckende Bandbreite an Themes und Plugins an. Und auch der Feature-Umfang von Grav ist recht mächtig. Eine Besonderheit von Grav ist das Konzept der modularen Seiten, bei dem sich eine Seite wie beim Lego aus mehreren Unterseiten (Modulen) zusammensetzt. Mit dem Konzept lassen sich zum Beispiel komplexe One-Pager bauen.

Im Vergleich zu Statamic oder Kirby wirkt das Dashboard von Grav allerdings deutlich überkomplex und weniger nutzerfreundlich. Man merkt, dass Grav als Open Source Projekt erst einmal die Bedürfnisse von Entwicklern im Blick hat und weniger auf unerfahrene Autoren achtet. Zwar wurden inzwischen einige Kinderkrankheiten wie fehlende Sortier-Möglichkeiten für modulare One-Pager behoben. Dennoch sollte man erst einmal dem Redakteur das System vorführen, bevor man sich von den sehr flexiblen Entwickler-Möglichkeiten des Systems überzeugen lässt. Auf der anderen Seite gibt es im Open-Source-Bereich derzeit kein anderes System mit einer vergleichbar großen Community und einer entsprechenden Auswahl an Ressourcen. Wenn es ein Stück kleiner reicht, kommen Alternativen wie Bludit, Automad oder Flextype in Frage.

Einfache Webseiten mit Bludit

Zunehmend beliebt ist Bludit. Bludit ist ebenfalls Open Source und ein besonders einfaches CMS unter den Flat-File-Systemen. Einfach bedeutet jedoch nicht begrenzt, sondern Bludit ist ganz im Gegenteil extrem flexibel und bietet sogar eine ausgereifte API an. Und das alles bei gerade einmal 4 MB.

Bludit hat im Jahr 2015 das etwas ältere XML-System Nibbleblog abgelöst. Das schlanke CMS profitiert sichtbar von den Erfahrungen mit dem Alt-System und macht bei der Erst-Installation einen sehr guten Eindruck: Es nimmt den Anwender genauso an die Hand, wie man es sich wünscht und macht den Installations-Prozess zu einem Kinderspiel.

Auch die Admin-Oberfläche ist aufgeräumt und das Bild-Management komfortabel: Man kann die Bilder hochladen und dann per Button in den Artikel integrieren. Eine kleine Auswahl an Themes und Plugins machen das System für einfache Projekte komplett, und mit der API können sogar moderne frontend-getriebene Webseiten realisiert werden. Eine Besonderheit von Bludit ist der Editor: Nach einer kurzen Umstellung auf Markdown ist Bludit inzwischen wieder auf den Standard-Editor TinyMCE umgestiegen, Autoren können bei Bludit also mit einem gewohnten HTML-Editor arbeiten.

Bludit wurde seit 2015 konstant weiterentwickelt, sodass das System für einfache Seiten absolut empfehlenswert ist, auch als Alternative zum etwas größeren und bekannteren Open-Source-CMS Grav.

Pico, Automad, BatFlat und Flextype

Wer unter den oben genannten Systemen keinen geeigneten Kandidaten findet, der hat mit Pico, Automad, BatFlat und Flextype noch zahlreiche andere Optionen. Pico hat eine lange Tradition und ist vor allem unter Puristen sehr beliebt. Das Micro-CMS ist sehr schlank, nicht abhängig von Frameworks oder anderen Bibliotheken und bietet eine recht komfortable Anzahl an Erweiterungen an.

Ähnlich puristisch ist auch das Flat-File-CMS Automad. Um das One-Man-Projekt Automad war es in den letzten Jahren recht still geworden. Seit Juli 2018 wird Automad jedoch wieder regelmäßig weiterentwickelt und die neue Version wirkt sehr modern, frisch und aufgeräumt. Automad bietet einen Inpage-Editing-Mode an, was in der Flat-File-Welt derzeit noch die Ausnahme darstellt. Von daher lohnt sich auf jedem Fall ein Blick.

Die neue Version des Flat File CMS Automad

Auch Flextype entwickelt sich langsam zu einer ausgereiften Alternative. Mit Flextype arbeitet der Macher des älteren XML-Systems Monstra seit Anfang 2018 an einem Neustart. Nachdem es erst so aussah, als würde das Projekt nach kurzer Zeit wieder einschlafen, ist Ende 2018 doch noch ein umfangreiche Update mit einem Autoren-Dashboard erschienen. Seitdem ist die Weiterentwicklung recht dynamisch.

Auch das neue System BatFlat kann eine Alternative sein, ähnlich wie Bludit, Automad und Flextype wirkt das System durchaus komplett und ausgereift, sodass es produktiv eingesetzt werden kann. Vor Kurzem hat BatFlat allerdings sein Lizenz-Modell geändert und bietet die kostenfreie Version nur noch für persönliche Seiten oder Non-Profit-Auftritte an. Für Kunden-Projekte fallen Lizenzkosten in Höhe von 29,- Dollar an.

Yellow CMS

Unter den vielen anderen Flat-File-Varianten sorgt vor allem Yellow für etwas Abwechslung. Yellow kommt aus Schweden. Das alleine ist noch nicht ungewöhnlich, ungewöhnlich ist jedoch die Machart: Bei Yellow kann man sich einloggen und die Seiten direkt über einen kleinen aufpoppenden Markdown-Editor bearbeiten. Auch Yellow ist ein One-Man-Projekt, dass allerdings seit Jahren immer wieder ein wenig weiterentwickelt wird. Bestens geeignet ist das System vermutlich auch für kleine Webauftritte im Brutalisten-Stil, die seit einiger Zeit recht populär sind.

Yellow CMS: Ein spannendes Flat-File-Experiment

TYPEMILL

Typemill ist mein eigener Beitrag zur Flat-File-Welt, den ich seit 2017 kontinuierlich entwickele. Allerdings ist Typemill weniger für Standard-Webseiten oder Blogs geeignet. Stattdessen richtet sich das System eher an Autoren, die Text-lastige Webseiten wie Dokumentationen, Handbücher, Manuals, Fachseiten oder auch Prosa oder ähnliche Text-Formen veröffentlichen wollen. Neben der interaktiven Navigation und dem streng hierarchischen Seitenaufbau zählt auch ein Visual-Editor zu den Besonderheiten des Systems. Der Visual Editor verfolgt ein Block-Editing-Konzept und soll die Arbeit mit Markdown erleichtern.

Auch CMSstash läuft mit Typemill. Dennoch ist das System in vieler Hinsicht noch unfertig. Experimentierfreudige Autoren werden mit Typemill jedoch auch jetzt schon zurechtkommen.

Nicht mehr aktive Flat-File-CMS

Die folgenden Systeme werden seit längerem nicht mehr aktualisiert oder sind inzwischen ganz vom Flat-File-Markt verschwunden:

Regelmäßige Neuigkeiten über Content-Management-Systeme und Website-Publishing gibt es von CMSstash auf Twitter.

Zuletzt aktualisert: 23.04.2019