FirstSpirit: Hybrid CMS und DXP

FirstSpirit gehört in Deutschland bzw. Europa zu den großen Enterprise CMS und Digital Experience Plattformen (DXP). Kennzeichen des Systems sind unter anderem eine hybride Architektur, eine hohe Performance durch eine halb-statische Seitenauslieferung, eine flexible Integration von externen Services sowie KI-gestützte Personalisierungs-Funktionen.

Seit 2013 bietet FirstSpirit sein CMS als Cloud-Variante an. Die Umstellung von einem klassischen Lizenz- auf ein SaaS-Vertriebsmodell wurde zuletzt forciert. Auf den Headless-Trend hat das Unternehmen bereits Ende 2016 reagiert und eine umfangreiche Content-API vorgestellt, mit der sich CaaS-Plattformen (Content as a Service) und Headless-Architekturen umsetzen lassen. Ende 2019 wurde mit dem First Spirit Hybrid CMS eine neue Version gelauncht, die die Headless- und CaaS-Nutzung weiter optimiert. Bestandteile sind ein Smart-Dashboard für KPIs, ein Touchpoint-Editing, bei dem Inhalte für unterschiedliche Ausgabekanäle bearbeitet werden können, ein FragmentCreator, mit dem ausgabenneutrale Inhalts-Fragmente erstellt werden können, sowie ein StarterKit, das die FirstSpirit-Implementierung durch zahlreiche vor-implementierte Features beschleunigt. Ein weiterer Schwerpunkt von FirstSpirit ist die Nutzung von KI-Konzepten für die Personalisierung mit der Intelligent Content Engine. Zuletzt hat FirstSpirit den Commerce-Bereich gestärkt und 2021 eine Integration der SAP Commerce Cloud gelauncht.

Das Unternehmen e-Spirit AG ist 1999 als Tochterunternehmen der Adesso AG mit Sitz in Dortmund entstanden. Das Unternehmen zählt etwa 150 Mitarbeiter mit Standorten in Deutschland, der Schweiz und den USA. Im März 2021 wurde e-Spirit für knapp 30 Mio. US-Dollar von dem amerikanischen Anbieter der DXP-Cloud Crownpeak übernommen übernommen. Gemischte Einschätzungen dazu gab es unter anderem von Tony Byrne, CMSwire oder IT-Zoom.

FirstSpirit wird als Enterprise CMS von Großkonzernen aus den unterschiedlichsten Branchen eingesetzt. Zu den Kunden zählen beispielsweise Bosch, Hornbach, MediaMarkt, Edeka oder die Commerzbank. Entsprechend häufig findet sich das System im Portfolio der großen Dienstleister und Web-Agenturen.

#FirstSpirit für Redakteure

Wie viele andere Enterprise Content Management Systeme hat FirstSpirit einen sehr großen Feature-Umfang und eine entsprechend komplexe Autoren-Oberfläche. FirstSpirit reduziert diese Komplexität, indem es für normale Autoren den reduzierten ContentCreator anbietet und den SiteArchitect mit der vollständigen Funktionalität den Administratoren und Power-Usern vorbehält. Zusätzlich gibt es individuelle Oberflächen wie den FragmentCreator. Der SiteArchitect ist eine java-basierte Client-Anwendung. Der ContentCreator und der FragmentCreator sind web-basierte Oberflächen.

Bei dem komplexeren SiteArchitect arbeitet der Autor nach wie vor mit einem dreigeteilten Screen. Links findet man den Navigations-Baum, in der Mitte die Eingabe-Formulare und rechts die Vorschau.

First Spirit Site Architect

Beim ContentCreator hat FirstSpirit ab 2012 mit der Version 5 eine Strategie-Wechsel vollzogen und das Bearbeitungskonzept grundsätzlich verändert. Aus einem dreiteiligen Screen mit der Navigation links, den Formularfeldern mittig und der Seitenvorschau rechts ist ein zweigeteilter Screen geworden, der fast vollständig von der Seitenvorschau ausgefüllt wird. Auf der rechten Seite befindet sich nur noch eine schmale Icon-Leiste, mit der der Autor bei Bedarf als "Reports" bezeichnete Werkzeuge wie eine Suche, Lesezeichen, verwandte Elemente und Ähnliches einblenden kann. Im Kopfbereich befindet sich eine zentrale Menüleiste mit den Haupt-Punkten "Inhalte", "Medien" und "Aktionen":

Content Creator von First Spirit

Eine Seite besteht bei FirstSpirit aus unterschiedlichen Absätzen, die direkt in der Seitenvorschau des ContentCreators erstellt, verschoben und bearbeitet werden können. Für die Erstellung neuer Absätze gibt es entsprechende Buttons, für die Bearbeitung bestehender Inhalte werden Menüs eingeblendet, sobald der Nutzer mit der Maus über ein Element fährt. Die Bearbeitung selbst erfolgt über klassische Formulare, die in einem Popup eingeblendet werden. Zusätzlich zu dem Bearbeitungs-Modus im ContentCreator gibt es auch noch einen LiveEdit-Modus, bei dem ein Redakteur die Inhalte in ähnlicher Weise direkt auf der veröffentlichten Seite ohne Menüleisten bearbeiten kann.

Mit diesem Bearbeitungs-Konzept hat FirstSpirit eine ähnliche Entwicklung vollzogen, wie zuvor schon Adobe AEM mit seiner Version 5 (bzw. damals noch CQ5). Ironischerweise erinnern die Menü-Leisten von FirstSpirit in einigen Fällen sogar ein wenig an Photoshop.

In jüngster Vergangenheit sind weitere Oberflächen im Rahmen der Content Experience Tools (CXT) hinzugekommen, die auf bestimmte Rollen und Aufgaben zugeschnitten sind. Zur CXT-Familie gehört der FragmentCreator, mit dem sich kanal-unabhängige Content-Fragmente erstellen und pflegen lassen. Der FragmentCreator greift die Dreiteilung des SiteArchitect auf, bleibt dabei jedoch wesentlich reduzierter.

FirstSpirit FragmentCreator

#FirstSpirit für Entwickler

Die on-Premise-Version von FirstSpirit ist eine plattformunabhängige Java-Anwendung, die sich auf allen Java JDK-fähigen Betriebssystem nutzen lässt. Daten werden im XML-Format gespeichert, über die Java Database Connectivity API (JDBC) können die unterschiedlichsten Datenbanken wie MySQL, Microsoft SQL, Oracle, IBM, PostreSQL oder MariaDB angebunden werden. Als Webserver können Apache, Tomcat oder Microsoft eingesetzt werden.

Ein paar ausgewählte Aspekte des Systems sind:

  • Templates: FirstSpirit nutzt eine proprietäre Template-Syntax mit eigenen Tags, Instructions, Expressions und Datatypes.
  • APIs: FirstSpirit bietet eine interne Access API und eine Developer API an. Daneben gibt es JavaScript APIs für den ContentCreator und den SiteArchitect.
  • Plugins: Plugins sind funktionale Erweiterungen. Es gibt rein serverseitige Plugins und Plugins, die die Funktionalitäten im SiteArchitect und/oder im ContentCreator erweitern. Da der SiteArchitect eine Java-Applikation und der ContentCreator eine Web-Applikation ist, müssen die Plugins für beide UIs unterschiedlich entwickelt werden.
  • AppCenter: Über das AppCenter lassen sich Dritt-Anwendung wie beispielsweise Google Maps in FirstSpirit nutzen. Wie bei den Plugins müssen die Anwendungen technisch unterschiedlich in den SiteArchitect (Java-Applikation) und in den ContentCreator (Web-Applikation) integriert werden.
  • SmartDynamics: FirstSpirit verfolgt generell einen statischen Ansatz, generiert im Gegensatz zu dynamischen Systemen die Webseiten also nur einmal als statisches HTML und publiziert die statische Seite dann auf dem Web-Server. Dadurch kann das System auf ein komplexes Caching weitestgehend verzichten und ist sehr performant. Mit SmartDynamics lassen sich dynamische Inhalte punktuell auf der Webseite integrieren.
  • CaaS: CaaS ist eine Content as a Service Schnittstelle in Form einer REST-API, über die der gesamte Content bzw. einzelne Content-Schnipsel mit einem API-Key im JSON-Format abgerufen werden können. CaaS ist damit die Headless-Variante von FirstSpirit und ermöglicht die neutrale Distribution von Inhalten, eine Microservice-Architektur oder beispielsweise auch Single-Page-Applikationen mit typischen Frameworks wie Angular, React oder Vue.

Weitere technische Details kann man in der recht umfangreichen Online-Dokumentation von FirstSpirit finden.

#Kosten

Wie die meisten Enterprise Systeme hat FirstSpirit seine Lizenzkosten nicht veröffentlicht. Generell bewegt sich FirstSpirit auf einem ähnlichen Preis-Niveau wie andere Enterprise Systeme und kommt daher nur für Konzerne und größere Unternehmen bzw. Organisationen in Frage. In früheren Jahren waren die Lizenzkosten für FirstSpirit eher niedriger, während die Individual-Entwicklung stärker zu Buche schlug. Das StarterKit von FirstSpirit dürfte eine Reaktion darauf sein, um die Implementierungskosten zu senken und den Time-to-Market zu verkürzen.

#Empfehlung: Wann FirstSpirit Sinn macht

FirstSpirit hat während des Aufstiegs der Headless CMS ein sehr intensives Marketing betrieben und sowohl seine eigene entkoppelte Architektur herausgestellt, als auch mit Produkten wie CaaS und dem FirstSpirit Hybrid CMS auf den Trend reagiert. Schon vorher zählten die Flexibilität und die unzähligen Integrationsmöglichkeiten zu den Stärken des Systems. Allerdings ist FirstSpirit nicht das einziges System mit diesen Vorteilen, sondern auch Mitbewerber wie CoreMedia können mit Cloud-Installationen und einer Headless-Variante punkten.

FirstSpirit dürfte immer ein guter Kandidat, wenn im Unternehmen viele unterschiedliche Daten- und Content-Quellen in einem CMS vereint werden sollen und die unterschiedlichsten Ausgabe-Punkte bedient werden müssen. Konzepte wie ein zentraler Content Hub oder eine Auslieferung neutraler Inhalte als Content as a Service sind mit FirstSpirit möglich. Auch wenn Personalisierungs-Szenarien eine Rolle spielen, dürfte FirstSpirit mit der KI-gestützten Content-Engine ein Kandidat in der Shortliste sein.

#Alternativen zu FirstSpirit

Der Markt der Enterprise CMS ist vergleichsweise groß und entsprechend vielfältig sind die Alternativen. Will man in der Java-Welt bleiben, bieten sich als Alternativen zu FirstSpirit beispielsweise AEM oder CoreMedia an. Bei der Umstellung auf ein neues CMS ist jedoch auch ein Wechsel auf eine andere Architektur oder ein Downgrade auf ein leichtgewichtigeres CMS denkbar. All das hängt vom konkreten Einsatz-Szenario im Unternehmen ab. CMSstash kann einen ersten Markt-Überblick liefern. Für einen erfolgreichen Auswahl-Prozess ist jedoch eine individuelle Analyse nötig. Wer dabei auf eine externe Unterstützung zurückgreifen will, der kann sich an unseren Kooperationspartner SUTSCHE wenden. SUTSCHE gehört zu den wenigen Dienstleistern, die nicht implementieren und so die CMS-Auswahl unabhängig im Interesse des Kunden begleiten können.

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