FirstSpirit: Enterprise CMS und Content Hub

FirstSpirit gehört zu den großen Enterprise CMS und versteht sich als Digital Experience Plattform (DXP). Kennzeichen des Systems sind vor allem die entkoppelte Architektur und die sehr flexiblen Integrationsmöglichkeiten weiterer Dienste von Drittanbietern. Seit 2013 bietet FirstSpirit sein CMS auch als Cloud-Variante an und seit Ende 2016 gibt es mit Content as a Service (CaaS) eine umfangreiche Content-API, die Headless-Architekturen unterstützt. Ein weiterer Schwerpunkt der jüngeren Zeit ist die Nutzung von KI-Konzepten mit der Intelligent Content Engine.

Das Enterprise-CMS CoreMedia

Das Unternehmen e-Spirit AG ist 1999 als Tochterunternehmen der Adesso AG entstanden und hat seinen Hauptsitz in Dortmund. FirstSpirit wird als Enterprise CMS von Großkonzernen aus den unterschiedlichsten Branchen eingesetzt. Zu den Kunden zählen beispielsweise Bosch, Hornbach, MediaMarkt, Edeka oder die Commerzbank. Entsprechend häufig findet sich das System im Portfolio der großen Dienstleister und Web-Agenturen.

#FirstSpirit für Redakteure

Wie viele andere Enterprise Content Management Systeme hat FirstSpirit einen sehr großen Feature-Umfang und eine entsprechend komplexe Autoren-Oberfläche. FirstSpirit reduziert diese Komplexität, indem es für normale Autoren den reduzierten ContentCreator anbietet und den SiteArchitect mit der vollständigen Funktionalität den Administratoren und Power-Usern vorbehält.

Beim ContentCreator hat FirstSpirit ab 2012 mit der Version 5 eine Strategie-Wechsel vollzogen und das Bearbeitungskonzept grundsätzlich verändert. Aus einem dreiteiligen Screen mit der Navigation links, den Formularfeldern mittig und der Seitenvorschau rechts ist ein zweigeteilter Screen geworden, der fast vollständig von der Seitenvorschau ausgefüllt wird. Auf der rechten Seite befindet sich nur noch eine schmale Icon-Leiste, mit der der Autor bei Bedarf als "Reports" bezeichnete Werkzeuge wie eine Suche, Lesezeichen, verwandte Elemente und Ähnliches einblenden kann. Im Kopfbereich befindet sich eine zentrale Menüleiste mit den Haupt-Punkten "Inhalte", "Medien" und "Aktionen":

Eine Seite besteht bei FirstSpirit aus unterschiedlichen Absätzen, die direkt in der Seitenvorschau erstellt, verschoben und bearbeitet werden können. Für die Erstellung neuer Absätze gibt es entsprechende Buttons, für die Bearbeitung bestehender Inhalte werden Menüs eingeblendet, sobald der Nutzer mit der Maus über ein Element fährt. Die Bearbeitung selbst erfolgt über klassische Formulare, die in einem Popup eingeblendet werden. Zusätzlich zu dem Bearbeitungs-Modus im ContentCreator gibt es auch noch einen LiveEdit-Modus, bei dem ein Redakteur die Inhalte in ähnlicher Weise direkt auf der veröffentlichten Seite ohne Menüleisten bearbeiten kann.

Mit diesem Bearbeitungs-Konzept hat FirstSpirit eine ähnliche Entwicklung vollzogen, wie zuvor schon Adobe AEM mit seiner Version 5 (bzw. damals noch CQ5). Ironischerweise erinnern die Menü-Leisten von FirstSpirit in einigen Fällen sogar ein wenig an Photoshop.

Auf den ersten Blick wirken die Autorenoberfläche und das Bedienkonzept von FirstSpirit sehr durchdacht und aufgeräumt. Wie sehr sich die Usability im Redaktionsalltag bewährt, können nur eigene intensive Tests verraten. Der große Feature-Umfang muss an dieser Stelle nicht beschrieben werden, erwähnen kann man vielleicht die integrierte Möglichkeit für A/B-Tests ab Version 5.2, die vor allem Marketing-Experten und Web-Optimierer freuen wird.

#FirstSpirit für Entwickler

FirstSpirit ist eine plattformunabhängige Java-Anwendung, die sich auf allen Java JDK-fähigen Betriebssystem nutzen lässt. Daten werden im XML-Format gespeichert, über die Java Database Connectivity API (JDBC) können die unterschiedlichsten Datenbanken wie MySQL, Microsoft SQL, Oracle, IBM, PostreSQL oder MariaDB angebunden werden. Als Webserver können Apache, Tomcat oder Microsoft eingesetzt werden.

Ein paar ausgewählte Aspekte des Systems sind:

  • Templates: FirstSpirit nutzt eine proprietäre Template-Syntax mit eigenen Tags, Instructions, Expressions und Datatypes.
  • APIs: FirstSpirit bietet eine interne Access API und eine Developer API an. Daneben gibt es JavaScript APIs für den ContentCreator und den SiteArchitect.
  • Plugins: Plugins sind funktionale Erweiterungen. Es gibt rein serverseitige Plugins und Plugins, die die Funktionalitäten im SiteArchitect und/oder im ContentCreator erweitern. Da der SiteArchitect eine Java-Applikation und der ContentCreator eine Web-Applikation ist, müssen die Plugins für beide UIs unterschiedlich entwickelt werden.
  • AppCenter: Über das AppCenter lassen sich Dritt-Anwendung wie beispielsweise Google Maps in FirstSpirit nutzen. Wie bei den Plugins müssen die Anwendungen technisch unterschiedlich in den SiteArchitect (Java-Applikation) und in den ContentCreator (Web-Applikation) integriert werden.
  • SmartDynamics: FirstSpirit verfolgt generell einen statischen Ansatz, generiert im Gegensatz zu dynamischen Systemen die Webseiten also nur einmal als statisches HTML und publiziert die statische Seite dann auf dem Web-Server. Dadurch kann das System auf ein komplexes Caching weitestgehend verzichten und ist sehr performant. Mit SmartDynamics lassen sich dynamische Inhalte punktuell auf der Webseite integrieren.
  • CaaS: CaaS ist eine Content as a Service Schnittstelle in Form einer REST-API, über die der gesamte Content bzw. einzelne Content-Schnipsel mit einem API-Key im JSON-Format abgerufen werden können. CaaS ist damit die Headless-Variante von FirstSpirit und ermöglicht die neutrale Distribution von Inhalten, eine Microservice-Architektur oder beispielsweise auch Single-Page-Applikationen mit typischen Frameworks wie Angular, React oder Vue.

Weitere technische Details kann man in der recht umfangreichen Online-Dokumentation von FirstSpirit finden.

Für die Integration und Erweiterung des CMS bietet FirstSpirit auch einen eigenen Marketplace an, in dem einzelne Module wie das A/B-Testing oder ein E-Mail-Newsletter oder ganze Integrationen zum Beispiel für Liferay, IBM-Websphere oder SAP zu finden sind. Die Erweiterungen und Integrationen werden von FirstSpirit selbst oder von dessen Integrations-Partnern entwickelt.

#Kosten

Wie die meisten Enterprise Systeme hat FirstSpirit seine Lizenzkosten nicht veröffentlicht. Generell bewegt sich FirstSpirit auf einem ähnlichen Preis-Niveau wie andere Enterprise Systeme und kommt daher nur für Konzerne und größere Unternehmen bzw. Organisationen in Frage. Auffällig war bei den wenigen eigenen Berührungspunkten mit FirstSpirit in der Vergangenheit, dass die Lizenzkosten für das Basis-System etwas niedriger ausfallen, die individuellen Anpassungen und Entwicklungen jedoch stärker zu Buche schlagen, was vermutlich der entkoppelten Architektur geschuldet ist. Die Erfahrungen sind allerdings schon einige Jahre alt und die Situation kann sich mit der Weiterentwicklung des Systems geändert haben.

#Empfehlung: Wann FirstSpirit Sinn macht

FirstSpirit hat während des Aufstiegs der Headless CMS ein sehr intensives Marketing betrieben und sowohl seine eigene entkoppelte Architektur herausgestellt, als auch mit Produkten wie CaaS auf den Trend reagiert. Schon vorher zählten die Flexibilität und die unzähligen Integrationsmöglichkeiten zu den Stärken des Systems. Allerdings ist FirstSpirit nicht das einziges System mit diesen Vorteilen, sondern auch Mitbewerber wie CoreMedia können mit Cloud-Installationen und einer Headless-Variante punkten.

Dennoch ist FirstSpirit immer ein guter Kandidat, wenn im Unternehmen viele unterschiedliche Daten- und Content-Quellen in einem CMS vereint werden sollen und die unterschiedlichsten Ausgabe-Punkte bedient werden müssen. Konzepte wie ein zentraler Content Hub oder eine Auslieferung neutraler Inhalte als Content as a Service sind mit FirstSpirit auf jeden Fall möglich.

#Alternativen zu FirstSpirit

Der Markt der Enterprise CMS ist vergleichsweise groß und entsprechend vielfältig sind die Alternativen. Will man in der Java-Welt bleiben, bieten sich als Alternativen zu FirstSpirit beispielsweise AEM oder CoreMedia an. Bei der Umstellung auf ein neues CMS ist jedoch auch ein Wechsel auf eine andere Architektur oder ein Downgrade auf ein leichtgewichtigeres CMS denkbar. All das hängt vom konkreten Einsatz-Szenario im Unternehmen ab. CMSstash kann einen ersten Markt-Überblick liefern. Für einen erfolgreichen Auswahl-Prozess ist jedoch eine individuelle Analyse nötig. Wer dabei auf eine externe Unterstützung zurückgreifen will, der kann sich an unseren Kooperationspartner SUTSCHE wenden. SUTSCHE gehört zu den wenigen Dienstleistern, die nicht implementieren und so die CMS-Auswahl unabhängig im Interesse des Kunden begleiten können.

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