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TYPO3: Etabliertes CMS für große Kunden

TYPO3 CMS gehört zu den großen Open-Source-Systemen und ist vor allem in Europa weit verbreitet. Das System ist recht komplex und wird daher überwiegend für große Corporate-Websites und komplexe Business-Websites eingesetzt.

Startseite der TYPO3 Organisation

Die Entwicklung von TYPO3 wurde 1997 von dem Dänen Kasper Skårhøj angestoßen. Im Jahr 2001 erschien die erste Open-Source-Version als Public-Beta. Das CMS erlebte in den folgenden Jahren ein starkes Wachstum, bis im Jahr 2011 schließlich die erste LTS-Version herauskam. Die LTS-Version garantiert einen dreijährigen Langzeit-Support und unterstreicht damit die Enterprise-Ausrichtung des Systems.

Neben dem Kern-System sind aus dem TYPO3-Projekt weitere Projekte entstanden. Dazu gehört die 2012 veröffentlichte Lightweight-Variante "TYPO3 Neos". Neos ist aus der Bestrebung hervorgegangen, die historisch gewachsene Code-Basis von TYPO3 komplett zu erneuern. Das Projekt hat sich 2015 vollständig von TYPO3 gelöst und wird heute nur noch unter dem Namen "Neos" ohne TYPO3 weiterentwickelt. Aus der gleichen Arbeit ist auch das PHP-Framework "TYPO3 Flow" entstanden, auf dem Neos aufsetzt.

Entsprechend der Enterprise-Ausrichtung findet man TYPO3 häufig im Portfolio von Web-Agenturen und Dienstleistern. Für diese Gruppe bietet TYPO3 auch ein eigenes Zertifizierungsprogramm an. Weltweit gibt es mehr als 500.000 Installationen.

TYPO3 für Content Manager

TYPO3 ist ein komplexes CMS für Business-Webseiten und für professionelle Content-Manager. Es wird mit einer umfangreichen Administrations-Oberfläche und mit unzähligen Features ausgeliefert.

Anders als üblich verfügt TYPO3 über zwei Sidebars auf der linken Seite, während der Content-Bereich die rechte Seitenhälfte einnimmt.

Startseite der TYPO3 Organisation

Über die Baum-Struktur in der inneren Sidebar kann der Nutzer durch die Inhalte des Auftritts navigieren. Gleichzeitig können in der Baumstruktur auch neue Seiten per Drag & Drop angelegt werden.

Die äußere Sidebar bietet administrative Funktionen sowie zahlreiche Bearbeitungs-Funktionen für die aktuelle Seite an. Die Menü-Optionen für Seiten sind:

Im Content-Bereich auf der rechten Bildschirmhälfte wird die aktuelle Seite (abhängig vom Template) in einer Grid-View dargestellt. Die Grid-View ermöglicht dem Autor, per Drag & Drop neue Elemente hinzuzufügen oder bestehende Elemente im Layout zu verschieben. Dadurch lässt sich der Aufbau einer Seite relativ frei gestalten. Will man die Inhalte eines Elements bearbeiten, öffnet sich per Klick wieder eine formular-basierte Ansicht. Über den "View"-Button wechselt der Autor in die Vorschau der Seite. Im Redaktionsprozess wird man also zwischen diesen drei Ansichten hin und herspringen.

TYPO3 hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt und auch viel an der Usability gearbeitet. Dennoch wirft TYPO3 nach wie vor eine recht technik-lastige Sicht auf Inhalte, was zusammen mit dem Feature-Reichtum den Einstieg in das System und generell die Arbeit mit Inhalten erschweren kann. Wer sich einen detaillierteren Eindruck verschaffen will, kann die auf der TYPO3-Webseite angebotene Demo-Version nutzen.

TYPO3 für Entwickler

TYPO3 ist eine PHP-Software, die unter anderem mit den Datenbanken MySQL, MariaDB, PostgreSQL und Oracle läuft.

Wie die meisten Content Management Systeme bietet auch TYPO3 eine Installations-Routine an, bei der allerdings die System-Anforderungen deutlich höher sind als üblich.

Bei dem System-Check von TYPO3 dürften in den meisten Fällen Nacharbeiten nötig sein. Bei einer frischen XAMPP-Installation müssen noch zahlreiche Ressourcen aktiviert oder geändert werden, darunter soap, die Ausführungszeiten und der Memory-Space. Die meisten Änderungen können relativ einfach in der php.ini erfolgen. Etwas aufwändiger ist die Konfiguration von openSSL, für die es eine Beschreibung auf der Wiki-Seite von TYPO3 gibt.

Bei der Theme-Entwicklung stehen Neu-Einsteiger vor einer relativ steilen Lern-Kurve. Die traditionelle Theme-Erstellung erfolgt überwiegend mit sogenannten "markers" und "subparts" in Kombination mit der Template-Sprache "TypoScript". Markers sind dabei einzelne Werte, während Subparts ganze Blöcke mit einem Startpunkt und einem Endpunkt bilden. Als Beispiel:

<h1>###TITLE###</h1>

###METANAV###
<p>This block will be replaced with the METANAV-content later.</p>
###METANAV###

Beide Konstrukte dienen im Template als Platzhalter für eine Content-Struktur, die mit TypoScript erstellt wird. Das TypoScript für die Meta-Navigation im oberen Beispiel kann wie folgt aussehen:

page.10.subparts {
  METANAV = HMENU
  METANAV.wrap = <ul>|</ul>
  METANAV.special = list
  METANAV.special.value = 80, 81

  METANAV.1 = TMENU
  METANAV.1 {
    NO = 1
    NO {
      allWrap = <li>|</li>
    }
  }
}

Es gibt eine alternative Template-Engine für TYPO3 mit dem Namen "Fluid". Fluid ermöglicht eine gebräuchlichere Theme-Struktur mit Layouts, Templates und Partials. Auch Fluid arbeitet mit TypoScript-Dateien, es benötigt jedoch keine Marker und SubParts. Stattdessen erinnert Fluid an die verbreitete Template-Sprache Twig und kombiniert { Template Tags } in geschweiften Klammern mit öffnenden und schließenden Fluid-Tags (<f:...></f:...>). Ein einfaches Beispiel kann so aussehen:

<f:alias map="{employees: {0: {first_name: 'Stefan', city: 'Lindlar'},1: {first_name: 'Petra', city: 'Lindlar'},2: {first_name: 'Sascha', city: 'Remscheid'},3: {first_name: 'Patrick', city: 'Bonn'},4: {first_name: 'Sven', city: 'Gummersbach'},5: {first_name: 'Andrea', city: 'Wuppertal'}}}">
  <table cellpadding="5" cellspacing="0" border="2">
    <f:for each="{employees}" as="employee" key="entrynumber">
      <tr>
        <th colspan="2">Eintrag: {entrynumber}</th>
      </tr>
      <tr>
        <td>{employee.first_name}</td>
        <td>{employee.city}</td>
      </tr>
    </f:for>
  </table>
</f:alias>

Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, kann dazu die umfangreiche Dokumentation von TYPO3 verwenden.

TYPO3 für Nicht-Entwickler

TYPO3 ist ein Enterprise Content Management System. Nicht-Entwickler dürften bereits an der Installation des CMS scheitern. Auch für Code-Einsteiger ist das System zu komplex, zudem ist das hauseigene TypoScript außerhalb von TYPO3 nicht verwendbar.

Kosten

TYPO3 ist Open Source. Aufgrund der Komplexität des Systems entstehen für eine individuelle Webseite natürlich entsprechend hohe Entwicklungs- und Wartungs-Kosten.

Empfehlung: Wann macht TYPO3 Sinn?

TYPO3 wird hauptsächlich im Enterprise-Bereich für komplexe Corporate Websites genutzt. Dort kommt den Unternehmen die hohe Flexibilität, die Beständigkeit, die große Verbreitung und ein entsprechend großer Markt an Dienstleistern zu Gute. Zudem bietet TYPO3 aufgrund seines langjährigen Einsatzes im Enterprise-Bereich für die meisten Anforderungen eine Lösung.

Der üblichen Praxis, für nahezu jeden Anwendungsfall eines der großen Open-Source-Systeme zu nutzen, sollte man dennoch widerstehen. Wer nicht in einem komplexen Business-Umfeld arbeitet und entsprechende Anforderungen an das System stellt, findet zahlreiche schlanke und moderne Alternativen. Denn der allgemeine Trend bei neuen Systemen geht eher in Richtung Vereinfachung, einer guten Usability für Autoren und einem schnellen Entwicklungs-Workflow für Developer. Die Komplexität und die technik-lastige Sicht von TYPO3 läuft diesem Trend eher entgegen oder in Teilen zumindest hinterher. Umso mehr Sinn macht es, vor der Auswahl eines Systems eine genaue Zieldefinition vorzunehmen und die Anforderungen an das System klar zu beschreiben.

Im Enterprise-Bereich ist TYPO3 als bewährte Open Source Lösung jedoch weit verbreitet und wird von vielen großen Unternehmen und bekannten Marken genutzt. Beispiele sind Lufthansa, Airbus, Roche, Sixt, Congstar und viele andere.

Tägliche CMS-News für Entwickler, Designer, Projektmanager und Anwender gibt es von @CMSstash auf Twitter. Twitter kann auch gerne für Hinweise zu Texten genutzt werden.

Zuletzt aktualisert: 27.02.2018